Aus Distance Learning wird Blended Learning

Blended Learning ist ein Konzept zur Verknüpfung von Online- und Präsenzanteilen von Unterricht. Es wird auch "integriertes, hybrides Lernen genannt" (Quade 2017). Das Portal e-teaching.org fasst dies als "Lehrszenarien, die nicht ausschließlich face - to - face oder online stattfinden, (...) also als Kombination von virtuellen und nicht - virtuellen Lernsettings und Methoden" zusammen. Mehrwert von Blended Learning entsteht jedoch erst mit der nötigen Didaktisierung (vgl. Quade 2017), die im Folgenden näher beleuchtet wird. 

 

Was bedeutet das konkret für den Unterricht von Grundschulkindern?

Es bedeutet, dass ich mich zunächst mit den Bedürfnissen meiner SchülerInnen auseinandersetzen muss. Ich berücksichtige die vorhandenen technischen Bedingungen und beachte die Rahmenbedingungen (Präsenzzeiten in Kombination mit digitalen gemeinsamen Settings sowie individuelle Lernphasen alleine zu Hause). Es gilt den Lehrplan zu berücksichtigen sowie Lernziele und Kompetenzen zu formulieren. In Abstimmung mit den Vorüberlegungen erstelle ich einen konkreten Stoffverteilungsplan und konzipiere hieraus Unterrichtseinheiten. Die Erfahrungen mit den SchülerInnen werden evaluiert, die Ergebnisse für die didaktische Entwicklung verwendet. Erst mit diesem Vorgehen ist meiner Meinung nach guter digitaler Unterricht möglich. Diesen gilt es dann zu erforschen und kritisch zu beleuchten, um eine Aussage über das Potential von Blended learning in Grundschulen tätigen zu können.

 

Warum nicht nur Präsenzunterricht?

  • reiner Präsenzunterricht ist aktuell (meist zwischen 6 - 12 Stunden pro Woche) und zukünftig aus unterschiedlichen Gründen unzureichend (-> Krankheit, Mangel an Lehrkräften, nicht zukunftsfähig, da wichtige Kompetenzen der digitalen Welt (vgl. Praxisleitfaden Medienkompetenz) hierdurch nicht vermittelt werden können.

  • Präsenzunterricht gekoppelt mit einem flipped classroom Modell und distance learning ist zukunftsweisend, überwindet Hürden und Barrieren und ermöglicht ein Weiterlernen trotz Einschränkungen, weit über die Corona Schulschließungen hinaus, bspw. wenn Lehrkräfte oder Kinder erkranken, zur Unterstützung bei Schwierigkeiten, bei Lehrermangel. Dieses Modell ist zukunftsfähig, da es selbstorganisiertes und lebenslanges Lernen fördert, vernetzt, Neugierde weckt, interkulturelle Kompetenzen fördern kann und Problemlösekompetenz und kritisches Denken fördert.

Vorteile des Blended Learnings für Grundschulkinder:

Grundschulkinder profitieren von der Mischung aus Präsenzunterricht, digitalen Klassenzimmer und Einzelarbeitsphasen zu Hause, da es lernen in eigenem Tempo ermöglicht, sich die Aufgabenverteilung individuell gestalten lässt und die Kinder selbstständig auf ihrem Stand des Lernens arbeiten können. Die SchülerInnen werden auf ihren individuellen Lernwegen von den Lehrkräften im Präsenzunterricht und den Lehrkräften aus dem digitalen Klassenzimmer begleitet. Lernvideos und interaktive Settings werden mit individuellen Übungsphasen kombiniert, begleitet von digitalen und Präsenzlehrkräften. Direkte Bewertung, Feedbackphasen und Mentoring sind gewährleistet und fördern die Kinder individuell.

 

Gelingensbedingungen:

Eine gute Moderation sowie engmaschige Absprachen der Lehrkräfte aus Präsenzunterricht und digitalen Klassenzimmer sind nötig. Auch bedarf es einer didaktischen Verzahnung aller drei Lernformen (Präsenzunterricht, digitales Klassenzimmer, individuelle Einzelarbeitszeit). Ein offener, kritischer und lösungsorientierter Umgang mit Hürden und Herausforderungen im Sinne der Kinder ist unerlässlich. Adäquate Maßnahmen im Hinblick auf digital divide sind zu ergreifen. Daher bedarf es auch eines engen Austauschs zwischen Schule und Elternhaus. Nur so lassen sich Barrieren und Ungleichheit aufdecken und überwinden. Kooperationen mit Eltern, die tatkräftig unterstützen sind ebenfalls empfehlenswert.

 

 

Quellen:

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Instruktionsvideos