Das digitale Klassenzimmer -

Ein Modellversuch zur Überwindung von Barrieren und Benachteiligung

Zeitlicher Rahmen: 15.03.2020 - 24.06.2020

Start des Projekts: 15.03.2020

Teilnehmende: 3. Grundschulklasse und ihre Klassenlehrerin

Veröffentlichung der Homepage: www.medienfuerbildung.com 25.03.2020

Öffnung des Klassenzimmers: 30.03.2020

Bisherige Erfahrungen: 42 Unterrichtstage

tägliche Unterrichtszeit/Onlinezeit: 9.20 Uhr - 13.30 Uhr

individuelle Sprechstunden für Eltern und SchülerInnen: nach Bedarf

Team und Unterstützung: Schüler und SchülerInnen meiner dritten Klasse, Christiane Stricker (Klassenlehrerin), Ann-Christin Wilhelm (Grundschullehrerin), Christian Böhm (Vorsitzender des Schulelternbeirats), Anke Schmitz von Hülst (Stellvertretende Vorsitzende des Schulelternbeirats), weitere Eltern sowie pilotschulen.de

zugehörige Publikation: Das digitale Klassenzimmer - Ein Modellversuch zur Überwindung von Barrieren und Benachteiligung

fächerübergreifende Projekte: 

Inhaltsangabe:

 

Zusammenfassung:

Distance Learning ist auch bei GrundschülerInnen möglich und aktuell zwingend nötig. SchülerInnen, Eltern und ich als Lehrkraft sind begeistert, die Kinder sind hochmotiviert und "voll dabei" (Zitat Schüler).

Es ist ein wunderbares Projekt - lassen Sie sich inspirieren und mitnehmen auf eine Reise, an die ich bis vor wenigen Wochen selbst nicht glaubte. Barrieren und Ungleichheit werden abgebaut. Gemeinsames Lernen ist trotz Schulschließung und eingeschränktem Schulbetrieb möglich. Wir bleiben eine Lerngemeinschaft, arbeiten projektorientiert, fächerübergreifend und allseitig. Zeitgleich erlangen die Kinder Medienkompetenzen im Sinne der 6 Kompetenzbereiche der digitalen Welt laut Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 08.12.2016. 

In den letzten Wochen hat sich einiges verändert. Dank Pilotschulen.de ist unser Klassenraum datenschutzkonform, ermöglicht eine Reihe von unterrichtsrelevanten Zusatzfunktionen (Whiteboard, Upload von Dateien, direktes Abspielen von Filmen, Screensharing, Moderatorenfunktionen) und ganz wichtig: läuft stabil. Der Unterricht wird täglich evaluiert und didaktisch weiterentwickelt. Je mehr uns unterstützen, desto mehr Qualität ist zu erreichen. Noch finanziere ich den Modellversuch aus eigener Tasche, zukünftig wünsche ich mir, dass dies nicht mehr nötig sein wird. 

 

Zitate von SchülerInnen:

"Frau Stricker, können wir das in den Ferien auch weitermachen?"

"Frau Stricker, müssen wir schon aufhören?"

"Frau Stricker, darf ich im Chat bleiben und euch weiter zuhören und mitmachen?"

"Frau Stricker, kann ich online bleiben und kannst du mir bei Fragen helfen?"

"Frau Stricker, können wir das auch weitermachen, auch wenn die Schule wieder normal weitergeht?" "Frau Stricker, darf ich länger bleiben, hast du noch eine Aufgabe?"

"Frau Stricker, sehen wir uns hier in den Ferien?"

"Danke, dass du für uns da bist."

"Cool, ist ja fast wie in der Schule, nur besser, weil, da habe ich keinen eigenen Computer."

"Frau Stricker, Computer bedienen ist doch ganz leicht."

"Gut, dass du uns gezeigt hast, warum google nichts für Kinder ist, jetzt weiß ich wo ich gucken muss, wenn ich Fragen habe - auf den Kinderseiten - oder über deine Homepage."

"Können wir uns auch am Wochenende verabreden?"

 

Zitate von Eltern:

"X hat sich auch gefreut, viele zu sehen und zu sprechen."

"Mein Sohn fand´s auch super."

"X war auch dabei. Auch x hat es viel Spaß gemacht."

"Wir sind sehr froh an dem Projekt "virtuelles Klassenzimmer" teilnehmen zu dürfen. Wir empfinden es als große Bereicherung in dieser schwierigen Zeit."

"Wir finden das virtuelle Klassenzimmer toll und x freut sich, dass x seine Mitschüler und seine Lehrerin sieht!"

"X (und auch wir) findet das virtuelle Klassenzimmer super und wir als Eltern befürworten die Einrichtung und tägliche Nutzung der Videotelefonie."

"Wir empfinden das virtuelle Klassenzimmer als Bereicherung und befürworten die Fortsetzung des Pilotprojektes."

"Läuft das in den Ferien weiter? Ich finde es eine tolle Sache."

"Vielen Dank für ihr Engagement und die Leidenschaft, mit der Sie sich der Bewältigung der für Eltern und Kinder schwierigen Situation widmen. Ihre Homepage ist phänomenal und sehr hilfreich. Am wichtigsten ist aus meiner Sicht aber das digitale Klassenzimmer. Es ist nicht nur für die Kinder eine Bereicherung, da es ein Stück Normalität bietet. Auch für uns Eltern bedeutet es eine große Unterstützung und vor allem den Schutz vor Überforderung. Wir sind Experten für unsere Kinder und kennen ihre Bedürfnisse. Selbstverständlich sind wir aber nicht in der Lage, Ihnen das notwendige Wissen zu vermitteln - wie sollten wir auch. Sie stehen uns unverändert tatkräftig und im aktiven Dialog beratend zur Seite... Dankeschön! Als zuständige Elternbeiräten der Klasse und Mitglied der Schulkonferenz unterstütze ich Sie uneingeschränkt. Dies gilt wie Sie wissen auch für die Mehrheit des Schulelternbeirats und insgesamt vier der fünf gewählten Elternvertreter unserer Schulkonferenz. Ich hoffe sehr, dass es uns gemeinsam gelingt, digitale Klassenzimmer an unserer Schule klassenübergreifend zu etablieren." 

 

 

Mein Projekt: (Kurzfassung)

Am Montag, den 30.03.2020, startete das freiwillige virtuelle Klassenzimmer. 

Warum startete ich ein Projekt zum digitalen Lernen, obwohl ich aus voller Überzeugung Grundschullehrerin in realen Klassenräumen bin?

Eine Vielzahl von Fragen und Hilfegesuchen brachten mich auf die Idee, eine neue Form des Miteinanders zu schaffen. Durch die Schulschließungen wurden wir alle (Lehrkräfte, Eltern, SchülerInnen, Schulämter, Ministerien usw.) gezwungen das pädagogische Handeln umzudenken. Trotz oder gerade weil die Schulen geschlossen sind, bleibt uns Lehrkräften die Verantwortung für unsere SchülerInnen. Wie kann man ihnen trotz des fehlenden Klassenraumes eine Möglichkeit des Austauschs und des Miteinanders bieten? Wie kann man Unterricht und pädagogische Begleitung gestalten, wenn man sich nicht real sehen kann? Wie kann man Eltern entlasten, die arbeiten müssen und sich auf unser funktionierendes Schulsystem verlassen?

Ich begab mich also auf die Suche nach Antworten. Durch mein Schulmanagement Studium an der TU Kaiserslautern konnte ich Erfahrungen im Bereich der Medienpädagogik sammeln. Daher lag es nahe, mich in diesem Bereich umzuschauen. Zunächst schuf ich meine Homepage, welche ich mit Wissensangeboten füllte und stets weiter füllen werde, so dass ich auf einen Pool an Aufgaben zurückgreifen kann, die ich für GrundschülerInnen als sinnvoll erachte. Diese Homepage diente zunächst als Basis. Einige Eltern nahmen dieses Angebot rasch an und ich erreichte mit diesem Medium bereits am ersten Tag 7 von 15 meiner SchülerInnen. Es war mir nicht genug. Eltern trugen vielfältige Fragen an mich heran und es kristallisierte sich der Wunsch heraus, sowohl von Seiten der Eltern, als auch der SchülerInnen, in den direkten Austausch mit mir gehen zu können, so wie sie es auch sonst gewöhnt sind. In Kooperation mit einem Vater aus meiner Schule, dessen Kind nicht zu meiner Klasse gehört und welcher sich dennoch für mein Projekt einsetzt, entstand die Idee des Digitalen Klassenzimmers. Ich bekam ein Videotool an die Hand: jitsi meet. Dieses testete ich auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichsten Personenkreisen. Nach erfolgreichen Testläufen und der Einverständniserklärung von allen Eltern, konnte das freiwillige Digitale Klassenzimmer starten. Aber warum spreche ich von einem freiwilligen Angebot? Ich möchte keine Barrieren aufbauen, sondern überwinden. Ich bin absolut begeistert von dieser Chance, mit den Schülern und Eltern in Kontakt zu treten. Ich denke, dass in einem virtuellen Klassenzimmer stattfinden kann, was Schüler und ggf. auch Eltern aktuell dringend benötigen: Kontakt und Austausch. Vielleicht kann es auch für Eltern Entlastung sein.

Klar, mit Blick auf Barrieren, ist, dass ich nicht sofort für alle SchülerInnen auf diese Weise da sein kann. Hier schuf ich zunächst andere Zugänge: Telefonkontakt, Email, Blogbeiträge auf meiner Website, welche smartphonekompatibel sind.

Wenn ich mein virtuelles Klassenzimmer nicht anbiete, nur weil ich nicht alle erreichen kann, benachteilige ich gleichzeitig alle Kinder, nicht zuletzt auch die, deren Elternhäuser die Voraussetzungen aktiv schaffen und umsetzen und die sich explizit diese Form der Kommunikation wünschen. Das sind alles Überlegungen, die ich in meine Angebote mit einfließen lasse.

Haben Sie Vertrauen, dass ich mit Professoren der Inklusionspädagogik und Medienpädagogik vernetzt bin und allseitig an diesem Projekt arbeite, mit allen Facetten, die dazu gehören können, sollen und müssen. Es ist erst der Beginn der Reise auf dem Weg des Distance Learnings für GrundschülerInnen. Dieses Projekt zu evaluieren und zu professionalisieren ist mein oberstes Gebot. Selbstverständlich liegen mir die Einverständniserklärungen aller Teilnehmenden vor. Ich danke den Eltern für ihr Vertrauen und ihre wunderbaren Kinder. Danke an meine Klasse. Ihr seid spitze.

Nachtrag:

Auf die Zusammensetzung der Klasse kann ich leider aus Gründen des Datenschutzes nicht eingehen. Jedoch soviel vorweg: Ich kann die Sorge der Medien nicht teilen, dass Benachteiligung im Rahmen von digitalem Unterricht durch finanzielle Barrieren entstehen könnte. Meine Herangehensweise ermöglicht allen Haushalten mit einem Smartphone - und das sind aus meiner Erfahrung mittlerweile alle - an meinem Projekt teilzunehmen. Zudem haben wir mit einem Netzwerk von Lehrkräften und Eltern ermöglicht, dass jedes Kind ein Endgerät erhält, auch wenn es selbst keines zur Verfügung hat. Sicherlich gibt es Hürden, es ist nicht leicht alle zu erreichen. Aber diese Hürden begründen sich nicht in fehlender Technik, sondern eher in der Skepsis der Eltern oder vor allem der Lehrkräfte, da "digitales Lernen" bisher in den Schulen kaum oder gar keine Rolle gespielt hat. Aber auch in dieser Hinsicht habe ich die Erfahrung sammeln dürfen, dass Eltern sehr offen für alle medialen Ideen sind und keinesfalls vor den digitalen Medien zurückschrecken. Ganz im Gegenteit habe ich das Gefühl, dass Eltern sogar dankbar sind, wenn Pädagogen die Aufgabe der Vermittlung von Medienkompetenz übernehmen. Denn sollten nicht gerade LehrerInnen in der Lage sein, Lerninhalte kindgerecht anzubieten und zu vermitteln? Es liegt an mir als Pädagogin, ob und wie ich mich der Thematik nähere. Je offener ich ich bin, desto wahrscheinlicher wird es werden, die Inhalte in die Schulen zu bringen. Eins ist auf jeden Fall sicher:

"Wir leben in einer Zeit, in der Kinder immer früher digitale Devices nutzen und laut Studien immer früher mit dem Internet in Kontakt kommen, sozialer Status wird auch über die Anzahl der Freunde in sozialen Internetangeboten, wie Facebook, gemessen und die sogenannten "digital Natives" haben ein immenses Interesse, digitales Wissen und Angebote zu konsumieren." (Quelle: Grundschule-digital.de). Daher sehe ich es als meine pädagogische Aufgabe, meine SchülerInnen für die digitale Welt fit zu machen. Zugegeben geschieht dies gerade in einem "Crashkurs". Ich wünsche mir das auch anders. Aber die aktuelle Krise verlangt ein Umdenken in kürzester Zeit. Viele Lehrkräfte haben sich in den letzten drei Wochen mit unermüdlichem Einsatz für ihre SchülerInnen und deren Zukunft auf einen neuen Weg gemacht. Lassen Sie uns gemeinsam professionell die aktuelle Herausforderung angehen. Denn auch in Zukunft mit und ohne Krise wird es Kinder geben, die nicht am Unterricht teilnehmen können und die dankbar sind, wenn wir sie mithilfe medialer Unterstützung am Unterrichtsgeschehen teilhaben lassen. Das Wissen, das wir uns jetzt erarbeiten ist meiner Meinung nach zukunftsfähig: "Wir leben in einer Welt, die durch Digitalisierung geprägt ist." (Praxisleitfaden Medienkompetenz Hessisches Kultusministerium S.3). Grenzen - sozialer sowie geographischer Art - lassen sich überwinden, wenn sich bereits Kinder die Fähigkeit aneignen, sich kompetent und mit allen nötigen Handwerkszeugen in dieser Welt zu bewegen. 

 

Zu meinem Projekt: Das „Virtuelle Klassenzimmer" wird zum „Digitalen Klassenzimmer"

Mein Projekt entstand aus dem Wunsch, einen Raum für meine SchülerInnen und mich zu schaffen, in welchem es Austausch, Miteinander und gemeinsames Lernen geben kann. Zunächst kreierte ich meine Homepage - eine Art Lernplattform für SchülerInnen, Eltern und Interessierte. Informatives für Eltern, aber auch ein Blog, welches Lernangebote für SchülerInnen bereitstellt, sind auf der. Homepage zu finden. Die Wissensangebote wurden sehr schnell angenommen. Jedoch stellte sich heraus, dass meine SchülerInnen sich auch nach Austausch sehnten und zwar nach einem Austausch, welcher für sie selbstständig umzusetzen ist. Hieraus entstand die Idee des virtuellen Klassenzimmers. Das virtuelle Klassenzimmer ist im Grunde ein Webkonferenzraum, dessen Kennung nur meinen Schülerinnen und ihren Eltern bekannt ist und von welchem ich Administrator bin. So kann ich auf jedwede Störung aktiv reagieren und intervenieren. Täglich bin ich für ca. 3 1/2 Stunden live in diesem "digitalen Raum", ähnlich der Situation im realen Klassenraum. Die SchülerInnen treffen sich mit mir in einer Morgenbesprechung. Wir bearbeiten Aufgaben, stellen Fragen und im Anschluss an den Vormittag reflektieren wir diesen im Rahmen eines Abschlussmeetings und sichern Lerninhalte. Ich stelle den Kindern Zeiten in Kleingruppen oder Einzelchats zur Verfügung, wo ich auf individuelle Bedürfnisse eingehen kann. Innerhalb von nur drei Tagen erreichte ich mit diesem Klassenraum 13 von 15 Schülern. In meine Vorüberlegungen ließ ich mit einfließen, dass es große Hürden technischer Art geben könnt. Daher habe ich eine smartphonekompatibel Lösung gesucht. Auch meine Website ist hierauf konzipiert. Diese Kriterien lagen mir sehr am Herzen, um möglichst für alle Kinder auf diese Weise zur Verfügung stehen zu können, da alle Elternhäuser meiner SchülerInnen über Mobiltelefone verfügen.

 

Tagebuch:

 

Tag 1 - Virtuelles Klassenzimmer 30.03.2020

Heute startete ich mit meiner dritten Klasse das virtuelle Klassenzimmer. 7 von 15 Kindern nahmen spontan am Projekt teil. Es gab eine Vielzahl von "technischen Herausforderungen", die sich aber sehr schnell gemeinsam beheben ließen. Die Kinder erschlossen sich die Technik unglaublich schnell. Es ist faszinierend, wie intuitiv der Umgang für Kinder zu sein scheint.

Ich fertigte eine Pro und Kontra Liste an (unter Berücksichtigung der 6 Kompetenzbereiche der digitalen Welt aus dem Praxisleitfaden Medienkompetenz - Bildung in der digitalen Welt), da mir zu jedem Zeitpunkt Lernzuwachs, Evaluation und Weiterentwicklung wichtig ist. Es ist ein Pilotprojekt. Auch nach intensiver Recherche habe ich kein vergleichbares Projekt in meinem Umfeld finden können. Daher verfolge ich - zum Projekt selbst - noch zwei weitere Ziele: Austausch mit anderen, die Ähnliches tun und Verbreitung meiner Idee für diejenigen, die ebenfalls daran Interesse haben. Hier stehe ich gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

 

Pro und Kontra Liste des ersten Tages - 30.03.2020 (Kriterienorientierung an Kompetenzbereiche der digitalen Welt) 

Pro:

  1. Anknüpfen an realen Unterricht möglich: Fragen stellen und Antworten geben, Vertiefung von Inhalten, Erschließung neuer Themen (6.2 Medien in der digitalen Welt verstehen und reflektieren) mit Hilfe medialer Unterstützung, individuelle Zuwendung im Einzelchat oder in kleinen Gruppen möglich.

  2. Abläufe, die Schüler aus dem Unterricht kennen, bewähren sich im Chat: bspw. Morgenkreis zur Tagestransparenz - Regeln, ähnlich wie im Sitzkreis aus dem Unterricht (2.4 Umgangsregeln kennen und einhalten) selbstständiges Erarbeiten von Inhalten nach einer gemeinsamen Einführung, Reflexion über Lernerfolg und Hürden, Besprechung von Lösungsmöglichkeiten

  3. Austausch mit Schülern und Eltern ähnlich dem realen Unterricht: Klärung individueller Fragen, Desktop-sharing durch Lehrkraft ermöglicht Unterstützung jeglicher Art, z.B. Erklärung meiner Webseitenfunktionen und Möglichkeiten sowie Hilfe bei technischen Herausforderungen (5.1 Technische Probleme lösen)

  4. Schüler vernetzen sich im Chat: der Austausch der Schüler untereinander ist gewährleistet, die sich seit Tagen nicht gesehen haben und mit Hilfe des Videochats sehen können (2.1 Interagieren mithilfe verschiedener Kommunikationsmöglichkeiten: Videochat, Chat, Email) - psychologisch, emotionale Vorteile - Gemeinsamkeitsgefühl - wir sind hier als Klasse zusammen (2.5 An der Gesellschaft aktiv teilhaben).

  5. Hilfreich ist die Nutzung einer Lernplattform - ähnlich meiner Homepage -, die in das virtuelle Klassenzimmer eingebunden werden kann. Es können, um einige Beispiele zu nennen: Aufgaben gestellt (1.1 Suchen und Filtern) , Aufgaben auf die Bildschirme projeziert werden (2.2 Teilen von Dateien, Informationen und Links), Filme gezeigt, Hörspiele gespielt, diktiert, oder es kann sogar das Tandemlesen umgesetzt werden. Man kann mit den Kindern Aufgaben vergleichen, Aufgaben gemeinsam besprechen (1.3 Auswerten und Bewerten sowie 1.3 Speichern und Abrufen), Probleme klären (3.3 Rechtliche Vorgaben beachten), vor allem in Bezug auf die Bedeutung von Urheberrecht und geistigem Eigentum sowie das Beachten der Persönlichkeitsrechte und im Grunde den bekannten Unterricht aus der Schule fortsetzen.

Kontra:

  1. technische Ausrüstung nicht bei allen vorhanden - Abhilfe jedoch durch Mobiltelefone möglich, die den größten Teil der Funktionen übernehmen können, so sollten fast alle Kinder erreicht werden können

  2. Es bedarf einer Struktur, einem Zeitplan, um sich mit den Schülern zu verabreden, um allen gerecht zu werden (Ich habe diesen Punkt bei Kontra aufgenommen, da es zunächst eine Hürde ist. Es lässt sich aber schnell Abhilfe schaffen, wenn man beispielsweise einen Zeitplan (siehe mein Beispiel) erstellt).

 

Fazit:

Distance Learning steckt in unseren (Grund-)Schulen noch in den "Kinderschuhen". Es ist vielfältiges Potential erkennbar, daher lohnt sich jede Form der Anstrengung für die Kinder und ihre Bedürfnisse.

Die zwei wichtigsten Bedürfnisse aktuell sind der Austausch und das Miteinander. Beides findet sich im virtuellen Klassenzimmer. Vielleicht kann es auch punktuell eine Entlastung für die Eltern sein, da sie in der Zeit des virtuellen Unterrichts ihre Kinder alleine mit ihrer Lehrkraft arbeiten lassen können, ohne sich permanent kümmern zu müssen. Das hingegen können nur die Eltern selbst beantworten. Die Voraussetzung hierfür ist eine funktionierende technische Ausstattung.

Danke an alle Eltern, die es ihren Kindern ermöglichen diesen Weg mit mir zu gehen. Wir bewegen uns in deutschen Grundschulen in Bezug auf Distance Learning noch auf Neuland, in anderen Ländern ist diese Form des Unterrichts bereits gängige Praxis. Lernen wir von anderen, teilen Erfahrungen und kommen miteinander weiter, für unsere Schülerinnen und deren Zukunft in einer digitalisierten Welt.

 

Auch heute bin ich wieder auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Erzählen Sie mir, was ihr Kind zum heutigen virtuellen Klassenzimmer berichtet hat. Wie war es für ihr Kind, für Sie als Eltern? Ich danke für das Feedback, das ich erhalten habe. Es war durchweg positiv. Das freut mich sehr, denn so erhalte ich Bestätigung für die sehr zeitintensive Arbeit, die es bedarf, um für die Schüler auf diese Art und Weise da sein zu können.

Tag 2 - Virtuelles Klassenzimmer - 31.03.2020

Die höchsten Hürden wie z.B.: "Welchen Knopf muss ich drücken?" "Wo ist das was, das Browserfenster?" "Bei mir geht das nicht... Ich höre nichts." "Ich kann nichts sehen...." "Was ist ein Blog?" uvm. sind bei den meisten überwunden. Die Kinder werden zunehmend selbstständiger im Umgang mit der Technik.

Ab morgen beginne ich mit einem Morgenkreis und einer gemeinsamen Startaufgabe, die an alle Kindern gerichtet sein wird. Daran anschließend erkläre ich den Kindern im Einzelunterricht noch vorhandene technische Hürden, oder ich treffe mich mit den Schülern in Kleingruppen zum individualisierten Austausch. Ich habe einen Plan erstellt, wann welche Kinder online sein sollen. Zum Ende der Onlinezeit treffen sich nochmals alle zum Tagesabschluss. Wir werden klären, ob sie mit ihrer Aufgabe gut zurechtgekommen sind, ob es Fragen oder Probleme gab und wie wir morgen weiter arbeiten werden. Durch meinen Plan erhoffe ich mir sicherzustellen, dass ich für alle Kinder Zeit habe und auf individuelle Bedürfnisse eingehen kann. Morgen evaluiere ich meinen Unterricht erneut und werde weitere Verbesserungen vornehmen. Die Kinder durften sich heute Partner für ihre Onlinezeit wünschen, da sie sich im Anschluss an das gemeinsame Arbeiten mit ihrem Wunschpartner unterhalten dürfen. Es hat sich gestern und heute gezeigt, dass dies in der Isolation, in der sich die Kinder aktuell befinden, als sehr hilfreich für den Sozialkontakt erweist. Die Kinder hatten großen Spaß am Austausch untereinander und mit mir und waren sehr motiviert. Die Aufgaben aus meinem Blog erweisen sich als hilfreiche, vielleicht sogar notwendige Unterstützung während des Onlineunterrichts, deshalb werde ich morgen und in den kommenden Tagen weitere Blogeinträge verfassen, um auf einen Pool an Aufgaben zurückgreifen zu können.

Ehrlicherweise, vielleicht aber auch weil ich noch keine Erfahrung mit dieser Form des Unterrichts habe, ist es sehr anstrengend. Aus diesem Grund kann ich Lehrkräfte verstehen, die sich der Thematik eher zögerlich nähern oder sogar eine ablehnende Haltung zeigen.Ich denke aber, dass es einfacher wird, wenn man Routine bekommt und auf Erfahrungen von Lehrkräften zurückgreifen kann, die sich bereits auskennen und als Multiplikatoren eingesetzt werden. Morgen wird es weitergehen, dann werde ich wieder berichten.

 

Tag 3 - Virtuelles Klassenzimmer - 01.04.2020 

13 von 15 Schüler waren online - sind die Barrieren wirklich so groß wie manche befürchten? Mir erscheint es umsetzbar, zumal ich in meine Vorüberlegungen habe mit einfließen lassen, dass alle Eltern meiner Klasse über Mobiltelefone verfügen und daher die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Meine Schüler waren heute hoch motiviert, alle haben ihre Aufgaben, die ich während des Chats besprochen habe, erledigt und mir im Abschlusskreis vorgezeigt oder per Email zugesandt. Dies motiviert mich sehr, mein Projekt weiter voranzubringen. Wenn man tatsächlich nach dem Arbeitsaufwand schaut, muss ich feststellen, dass dieser seit Schulschließung 7 Tage die Woche bei 15 - 18 Stunden liegt. Zukünftig werde ich diese Intensität selbstverständlich nicht aufrecht erhalten können. Aber für den Anfang erschien es mir nötig, schnell eine Möglichkeit des Miteinanders zu schaffen.

Fazit des Tages:

Bei einer großen Anzahl sich gleichzeitig im Chat befindlicher Kinder ist es nötig, dass die Teilnehmer sich auf "stumm" schalten, solange sie nicht sprechen, denn ansonsten können sehr unangenehme Störgeräusche entstehen. Die Schüler lernten heute die Meldefunktion kennen: wer etwas sagen möchte, meldet sich. Dies ist ein den Schülern bekanntes Ritual. Ich kann darauf zurückgreifen, weil ich in der realen Unterrichtszeit auf dieses Verhalten achte, um respektvolles, achtsames Miteinander zu gewährleisten. Auch, vielleicht sogar noch mehr als im realen Klassenraum ist freundlicher, respektvoller Umgang nötig. Es bedarf Disziplin, sich zurückzunehmen und zu warten bis man an der Reihe ist. Auch bedarf es von den Kindern die Fähigkeit, Instruktionen anzunehmen und umzusetzen.

Es zeigen sich weitere Hürden, die nicht im Miteinander von Eltern, Schülern und mir zu suchen sind. Auf diese möchte ich hier aus vielerlei Gründen nicht eingehen. Nur so viel: Es verlangt Rückgrat und Durchhaltevermögen auf dem Weg der Neuerung, denn es ist mit viel Gegenwind zu rechnen, dem es standzuhalten gilt. Das kostet viel Energie, die ich gerne für mein Projekt, anstatt dagegen einsetzen möchte.

 

Tag 4 - Virtuelles Klassenzimmer - 02.04.2020

Auch heute schreibe ich weiter fleißig Tagebuch zu meinen Erfahrungen im virtuellen Klassenzimmer. Ich berichte über Gelungenes und Verbesserungswürdiges sowie das Überwinden technischer Hürden. Über die Struktur meines "Unterrichts" werde ich ebenfalls schreiben, denn ich denke, dass dies für andere, die gleiches tun, vielleicht hilfreich sein könnte. Warum gibt es in meinem "Virtuellen Klassenzimmer" eine Struktur? Wie im realen Klassenraum so auch im virtuellen, benötigen die Kinder einen strukturierten Ablauf. Das gibt Sicherheit und verhilft zu einem geregelten Ablauf. Welcher Struktur folge ich? Die Eltern erhalten von mir am Tag zuvor einen Zeitplan, aus welchem sie ersehen können, wann sich ihr Kind einloggen soll, um am Chat teilzunehmen. Alle Kinder loggen sich zunächst für einen gemeinsamen Einstieg ein. Im Folgenden stelle ich einen Vormittag exemplarisch dar:

 

Ablauf eines Vormittags im "Virtuellen Klassenzimmer":

 

"Digitaler Morgenkreis“: Zieltransparenz und Einführung des Tagesthemas

Ich stelle den Kindern den Ablauf des Unterrichtstages vor. Im Anschluss besprechen wir ein gemeinsames Einstiegsthema - heute war das: Wie fühle ich mich heute. Ich nutze hierfür vielfältige mediale Unterstützung, heute waren das Gefühlskarten, die ich per Screensharing allen Kindern auf ihre Geräte duplizierte.

Aufgabe im Plenum für alle: Vermittlung von Inhalten

Die Aufgabe erledigen die Kinder im Anschluss an meine Erklärung in Einzelarbeit zu Hause, gemeinsam mit mir in Kleingruppen oder im Eins-zu-Eins-Chat.

Heutige Aufgabe:

Schaue dir den Mathematikfilm: Die rätselhafte Zahlenjagd von Löwenzahn an.

Folgende Fragen galt es zu beantworten:

Welche Matheaufgaben kommen im Film vor?

Wie wurde das Rätsel gelöst?

Schreibe die Aufgaben auf. Kannst du sie lösen?

Einzelchats oder Kleingruppen - individuelle Förderung

Während dieser Zeit arbeite ich mit den Schülern individuell nach ihren Bedürfnissen. Das kann sehr unterschiedlich sein, ganz so wie in der Schule auch.

„Digitaler Abschlusskreis“: Sicherung von Inhalten

Wir sprechen über die Aufgaben, stellen Lösungswege vor und reflektieren über das statt gefundene Lernen am Vormittag.

 

Gelungenes:

Das Digitale Klassenzimmer ähnelt dem realen. Bisher, so bilde ich mir ein, konnte ich für jedes Kind individuelle Zeit aufbringen. Zum einen wird dies möglich sein, da ich die SchülerInnen mit ihren Stärken und Schwächen bereits aus dem realen Unterricht gut kenne, zum anderen liegt es daran, dass ich individuelle Chatzeit vergebe, ganz nach den jeweiligen Bedürfnissen des Kindes. Manche profitieren von Zeit mit mir alleine, andere brauchen den Austausch mit ihren Mitschülern. Die Kinder können sich gegenseitig Aufgaben erklären, sich miteinander beratschlagen und gemeinsam Lösungswege finden - eben ähnlich wie im realen Klassenraum auch.

Der strukturierte Vormittag mit meinem vorgegebenen Zeitplan erweist sich als geeignetes Mittel, um Lerninhalte zu vermitteln, Lösungswege zu finden und zu reflektieren.

Technische Hürden:

Es ist aus mehreren Gründen nötig, täglich den Klassenraum über jitsi neu zu generieren. Hieran muss man denken, ansonsten kann man sich nicht mehr einloggen und das stört den Ablauf, verunsichert die SchülerInnen und lässt die Planung scheitern.

Evaluation: Jeder Unterrichtstag wird von mir evaluiert. Dies geschieht zum einen durch mich selbst, zum anderen erhalten die Eltern und Kinder täglich die Möglichkeit Verbesserungsideen, Wünsche oder Anregungen zu äußern. Meine Erfahrungen und die von Eltern und Kindern lasse ich in meine Weiterarbeit für den nächsten Tag einfließen. So ist sichergestellt, dass Fehler behoben werden und Verbesserungen greifen können.

Projekt "DigiBits - Digitale Bildung trifft Schule

Heute habe ich mich mit den fünf Prinzipien für den sicheren digitale Unterricht des gemeinnützigen Vereins "Deutschland sicher im Netz" beschäftigt. Der Verein steht unter der Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Das Projekt "DigiBits - Digitale Bildung trifft Schule" hat anlässlich der bundesweiten Schulschließungen zur Eindämmung des Coronavirus Lehrerinnen und Lehren aktuelle Tipps und Empfehlungen zur sicheren digitalen Unterrichtsgestaltung gegeben. Auf diese fünf Prinzipien möchte ich kurz eingehen, da meine Vorüberlegungen zu meinem Projekt diesen sehr ähnlich waren.

1. Lernplattformen der Schulbehörde oder der Medienzentren der Länder nutzen.

Ich habe meine eigene Lernplattform/Blog (www.medienfuerbildung.com) erstellt, damit gewährleistet ist, dass die Inhalte pädagogisch durchdacht und geprüft sind. Dies muss nicht jeder Lehrer tun, dient aber dazu, sicherzustellen, dass die SchülerInnen nur mit kerncurriculakonformen Inhalten konfrontiert werden. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass Lehrkräfte auf bereits existierende Lernplattformen der Schulbehörde zurückgreifen. In Hessen ist das für Grundschüler beispielsweise: Mauswiesel. Mir war es wichtig, dass ich mich selbst, wie auch während der Präsenzschule, mit den zu vermittelnden Lerninhalten und Aufgabenformaten und -stellungen beschäftige. Deshalb ist mir mein Blog mit den Aufgaben für die SchülerInnen auch so wichtig. Mir ist klar, dass nicht jeder Lehrer über die Fähigkeit verfügt, sich eine eigene Lernplattform zu schaffen. Es wird zukünftig auch nicht nötig sein, wenn es uns jetzt gelingt gute, pädagogisch sinnvolle Lernplattformen zu schaffen und flächendeckend zu verbreiten. Dazu ist jetzt dringend nötig, sich zu vernetzen und die Erfahrungen, die jetzt alle in diesem Bereich sammeln, zu einem Wissen zusammenzufügen. Ich habe mir dieses Wissen mithilfe meines Masterstudiengangs: Schulmanagement und autodidaktisch erarbeitet, vernetze mich mit Wissenschaftlern, suche mir professionelle Unterstützung und lerne täglich dazu. Gerne stehe ich als Multiplikatorin zur Verfügung.

2. Lernmanagementsysteme (LMS)

Meine Homepage dient als Lernmanagementsystem. Es wäre auch denkbar Moodle oder ähnliches einzusetzen. Zukünftig könnte es sinnvoll sein, den Schulen ein einheitliches System zur Verfügung zu stellen, damit nicht jeder das Rad neu und selbst erfinden muss. Dies dient der Ressourcenschonung und schützt vor Überforderung.

3. Datenschutz beachten

Dieser Punkt liegt mir besonders am Herzen. Gerne stehe ich für datenschutzrechtliche Fragen zur Verfügung. Meine SchülerInnen müssen zu keiner Zeit Informationen (Email, Anschrift, Telefonnummer) über sich preisgeben, um mit mir in Kontakt zu treten. Dies gewährleistet die Wahrung des Datenschutzes. Die Eltern sind umfassend informiert und zudem habe ich das Einverständnis aller Eltern zur Beteiligung ihrer Kinder.

4. Werbefreiheit gewährleisten

Ich nutze keine kommerziellen Tools. Ich möchte Werbefreiheit sicherstellen, auch dies ist ein Grund für meine selbst erstellte Homepage.

5. In-App-Käufe beachten

Da ich lediglich zwei Apps nutze, die meiner Homepage (Wix) und die von Jitsi, ist sichergestellt, dass es keine Kostenfallen gibt. Beide Anbieter sind kostenfrei.

 

Für weitere Informationen können Sie sich gerne auf der Seite von Deutschland sicher im Netz und News4teachers informieren. Klicken Sie auf die jeweiligen Institutionen, sie gelangen direkt zu deren Homepages.

Für heute verabschiede ich mich aus meinem Tagebuch. Viel Freude beim Lesen. Ich freue mich über jegliche Form des Feedbacks.

 

Tag 5 - Digitales Klassenzimmer - 03.04.2020

Der fünfte Tag des online Klassenzimmers neigt sich dem Ende. Die wichtigste Neuerung des Tages ist meine Begriffsänderung: aus virtuell wird digital. Ich finde es passender mein Projekt als "Digitales Klassenzimmer" zu bezeichnen. Daher habe ich heute die Umbenennung vorgenommen.

Was gibt es zu berichten? 13 von 15 Schülern nahmen mein Angebot in Anspruch. Mein "digitales Klassenzimmer" stößt auf rege Beteiligung. Ich bin stolz auf meine SchülerInnen, die in wenigen Tagen ihre verwendete Technik sehr kompetent bedienten. Am vergangenen Montag waren alle SchülerInnen noch auf intensive Unterstützung angewiesen. Heute, gerade einmal 5 Tage später, waren fast alle Kinder alleine fähig, ihre individuelle Technik (Smartphone, Laptop, Tablet) zu bedienen. Es herrschte über alle Tage hinweg Disziplin und eine hohe Aufmerksamkeit. Störungen kamen so gut wie keine vor. Selbst das Grimassenschneiden, das zunächst für manche reizvoll war, hörte schnell auf. Meine Erfahrung zeigt, dass digitales und reales Klassenzimmer ähnliche Regeln benötigen. Ein paar wichtige Skills möchte ich an dieser Stelle nennen: Die Kinder müssen daran gewöhnt sein, sich zu melden, wenn sie etwas sagen möchten. Mithilfe meines genutzten Tools Jitsi ist dies problemlos möglich, da es eine Meldefunktion gibt. Die Stummschaltung muss beim allen Kindern aktiviert sein, solange sie nicht sprechen, um Störgeräusche zu minimieren. Wenn die Kinder aus dem Unterricht gewohnt sind, sich gegenseitig zuzuhören, dann gelingt es im digitalen Klassenzimmer auch. Falls Kinder stören, ist es für den Administrator mithilfe des Tools möglich, einzelne Kinder aus dem Chat zu verweisen, die sich selbstverständlich wieder einloggen können, aber schnell merken, dass es für die Klasse kontraproduktiv ist, wenn man sich so verhält. Dies sei nur am Rande erwähnt, da sich jede Lehrkraft ihre eigenen Strategien entwicklen wird, um ein sinnvolles Lernklima zu schaffen - ganz wie im realen Klassenzimmer auch.

Heute folgte mein digitales Klassenzimmer einem ähnlichen Ablauf wie dem gestrigen, da sich dieser bisher als bewährt erweist. Daher gehe ich auf diesen nicht besonders lange ein. Die Morgenbesprechung im Plenum diente der Thementransparenz für den Tag. Eine Feedbackrunde am Ende des Tages sicherte Lerninhalte und ermöglichte Fragenklärung. Die Zeit dazwischen nutzte ich für individuelles Lernen und Eingehen auf spezielle Bedürfnisse der Kinder. Die Möglichkeit sich auch außerhalb der von mir vorgegebenen Zeitplanung einzuloggen, falls sich Fragen ergeben, wurde von mehreren Kindern während des Vormittags in Anspruch genommen. Eine Zeitplanung für den nächsten Tag erstelle ich immer direkt im Anschluss an den Vormittag, um pädagogisch auf die Bedürfnisse der Schüler zu reagieren. Ich stelle sicher, dass jedem Kind ähnlich lange online Zeiten zugeteilt werden und achte auf passende Schülerkonstellationen (wie im realen Unterricht auch). Meinen digitalen Unterricht plane ich jeweils im Anschluss an die Präsenzzeiten (9.50 Uhr  - 13.30 Uhr), hierbei überlege ich mir passende Lerninhalte und stelle geeignete Medien zusammen. So kann der darauffolgende Online - Tag beginnen.

Ich bin sehr erfreut über das positive Feedback der Eltern. Bisher habe ich 100 Prozent Zustimmung

erhalten (siehe Zitate von SchülernInnen und Eltern).

 

Wie starte ich eigentlich das "digitale Klassenzimmer"?

 

Im Grunde ist der technische Background eine Videokonferenz. Die Schaltung dieser ist sehr einfach, es sind keine besonderen technischen Kenntnisse erforderlich.

Für meinen digitalen Klassenraum habe ich mich für den Einsatz der Videokonferenz-Software "Jitsi" entschieden: https://jitsi.org/

Jitsi bietet einige Vorteile, die es für den Einsatz an einer Grundschule besonders attraktiv machen:

 

* Jitsi ist ganz einfach zu bedienen!

* Es ist kein Konto und keine Registrierung erforderlich. Niemand muss Daten wie Name oder E- Mail-Adresse preisgeben

* Jitsi ist kostenlos

* Die Anwendung ist webbasiert - das Programm wird im Browserfenster ausgeführt. Es ist keine Software-Installation erforderlich.

* Jitsi ist ein etabliertes Open-Source Community Projekt mit vertrauenswürdiger Datensicherheit.

* optional ist eine App für alle gängigen Smartphones und Tablets verfügbar. Dies erhöht die Reichweite und ermöglicht auch Familien, die nur ein Smartphone oder Tablet und z.B. kein Notebook zur Verfügung haben, am Virtuellen Klassenzimmer teilzunehmen. Die Erfahrung zeigt,

dass jede Familie mindestens ein Smartphone hat.

 

Eine gemeinsame Konferenz kann gestartet werden, in dem mehrere Teilnehmer den gleichen Link aufrufen, beispielsweise https://meet.jit.si/MeineKlasseAnMeinerSchule, wobei der letzte Teil des Links frei wählbar ist.

"Google Chrome" oder "Chromium" sind besonders gut für diese Videokonferenz geeignete Browser. Chromium lässt sich kostenlos herunterladen: https://chromium.woolyss.com/download/de/

 

Internet-Anbindung:

Die Geschwindigkeit der Netzanbindung ist eher unkritisch, praktisch

jede kabelgebundene Anbindung ist geeignet. Vorsicht lediglich bei

Mobil-Tarifen, da die Videokonferenz je nach Tarif das Datenvolumen

erschöpfen könnte.

 

Rechner oder Smartphone?

Grundsätzlich genügt ein Smartphone als Endgerät, um an der Videokonferenz teilzunehmen. Am besten geeignet sind Notebooks, hier genügen auch ältere Modelle. Sofern kein Rechner vorhanden ist, kann bereits für geringes Geld ein gebrauchter Rechner beschafft werden.

Die Verwendung allzu alter Geräte kann zu schechter Bildauflösung und Ruckeln führen.

 

Meinen Dank richte ich an einen sehr engagierten Vater, der mich in vielfältiger Weise tatkräftig unterstützt und welcher mir für Fragen stets zur Verfügung steht. - DANKE! - nur gemeinsam lassen sich solche Projekte verwirklichen.

 

 

Ich möchte noch auf ein paar grundlegende technische Hinweise eingehen, die ich während des Digitalen Klassenzimmers sammeln konnte:

 

Nutzung von Headsets

 

Falls die Lehrkraft ein Headset verwendet (für die Tonqualität der Zuhörer sehr zu empfehlen), muss beim Screensharing darauf geachtet werden, dieses auszustecken. Vergisst man es, wird den SchülerInnen der Ton nicht übertragen. Für Technikversierte sicherlich selbstverständlich, für mich war es das nicht.

 

Zur Nutzung von jitsi: tägliche Neugenerierung eines Raumes

 

Die tägliche Neugenerierung eines Raumes erweist sich als doppelt sinnvoll: Zum einen scheint es technische Probleme seitens jitsi zu geben, wenn man den Link mehr als 24 Stunden nutzt, zum anderen ist die Sicherheit des Raumes gewährleistet. Wir treffen uns nie mehr als einmal in einem Raum. Dies trägt dazu bei, dass sich der virtuelle Aufenthaltsort nicht verbreitet. (Schlagworte: Datenschutz, Sicherheit im Netz usw.)

Falls die Kinder einen falschen Link für den Chatraum verwenden, gelangen sie nicht in ihren "Klassenraum" und warten vergebens auf ihre Lehrkraft. Daher sollte eine weitere Verbindung zu den Schülern sichergestellt sein, die unabhängig vom Chatraum ist, um eventuell auftretende Probleme lösen zu können. Mich haben Eltern und Schüler unterstützt, die "verirrte" Kinder zurückholen und in den richtigen Raum lotsen. Auch ist sichergestellt, dass ich zumindest einige Eltern über Email oder Mobiltelefone in Kenntnis setzen kann, falls technische Probleme auftreten.

 

Ausblick:

Ich bin trotz vielfältiger Hürden (Datenschutz, Aufwand, Widerstand) 100 % überzeugt von meinem Projekt und hoffe, dass sich engagierte Lehrkräfte finden, die ähnliches ausprobieren. Ich kann diesen Unterricht absolut empfehlen, da er die sich aus der aktuellen Situation ergebenen Bedürfnisse der Kinder befriedigt. Falls die Schulen nach den Osterferien noch geschlossen sein sollten, werde ich mein Projekt weiter fortführen:

Meine Klasse und ich sind ein Team - mit oder ohne realen Klassenraum.

Bis dahin werde ich Barrieren minimieren, meine Homepage mit guten Lerninhalten füllen, nach guten medial geeigneten Materialien recherchieren, Kriterien festlegen und mich weiter professionalisieren.

 

Das Projekt geht weiter: ich vernetze mich mit Wissenschaftlern aus Medienpädagogik, Sonderpädagogik und Grundschuldidaktik und erhoffe mir so vor allem didaktische Weiterentwicklung - für alle SchülerInnen, Ihr Lernen und ihre Bedürfnisse. Sprechen Sie mich an, gerne gebe ich meine Erfahrungen weiter und unterstütze bei pädagogischen sowie technischen Fragen.

 

Ihre Frau Stricker

Update: 19.04.2020

Das Digitale Klassenzimmer geht morgen weiter. Meine dritte Klasse hat die Zugangsdaten und ihren Plan für Montag 20.04. erhalten.

Die Ferien habe ich genutzt, um die Homepage zu erweitern, Lehrfilme für Mathematik und Deutsch zu erstellen, Online geeignete Aufgaben zu erstellen, mich weiter zu vernetzen. Diese Projekt macht viel Arbeit. Ich hoffe sehr, dass zukünftig Wege gefunden werden, um die vielfältigen Erfahrungen, die laut aktueller Umfrage 27 Prozent der Lehrkräfte mit digitalem Lernen im Rahmen der Schulschließungen bisher sammeln konnten, zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Die SchülerInnen brauchen das Lernen, ihren Rhythmus, das Miteinander, sich messen, den Kontakt zu anderen Kindern, die Beziehung zu ihren Lehrkräften. Wir müssen es schaffen Ihnen zumindest einen kleinen Ersatz für die reale Schule zu bieten. Ich bin zuversichtlich und weiß, dass es viele kreative Köpfe gibt, die Konzepte erarbeiten können, die zukunftsweisend sind. 

Tag 6 - 20.04.2020 -

des digitalen Klassenzimmers ist vorüber. Heute hatten wir einige technischen Schwierigkeiten. Ich weiß leider nicht woran es lag. Eigentlich begann alle prima, die Kinder (13 von 15) loggten sich in den Videochat ein, doch einige verloren ihren Zugang und konnten sich auch nicht wieder einwählen. Ich habe daraufhin mit den übrig gebliebenen Kindern (Hälfte der Klasse) meinen geplanten Unterricht gehalten. Als die ersten Kinder in die Arbeitsphase entlassen werden konnten, generierte ich einen neuen Zugang, den ich an die Eltern verschickte. Ich traf mich mit der zweiten Hälfte der Klasse eine Stunde später als zunächst geplant. Leider hat dies meinen vorbereiteten Unterricht durcheinandergebracht. Aber auch hierfür fand sich eine Lösung. Es gibt immer wieder Herausforderungen, auf die schnell eine kreative Lösung gefunden werden muss. Stets flexibel zu bleiben ist von Nöten.  Zum Glück habe ich sehr engagierte Eltern, die sich vielfach helfend einbringen. So werden wir sicher routinierter. Jetzt schon ist klar, dass wir gemeinsam eine Menge Kompetenzen erlangen und die Kinder sich immer mehr Wissen aneignen, um sich den Herausforderungen des Distance Learning zu stellen. 

Morgen werde ich weiter berichten. Ich freue mich darauf. 

Tag 7 digitales Klassenzimmer - 21.04.2020

13 von 15 Kindern haben heute teilgenommen. Wie bereits gestern schon kämpften einige Kinder mit technischen Schwierigkeiten. Frei nach dem Motto: "Try and error" taste ich mich täglich neu im Dschungel des Unbekannten weiter voran. Nicht nur die Kinder, sonder vor allem ich lernen täglich dazu. Was bis vor wenigen Wochen noch unvorstellbar war, ist nun Realität. Mein Unterricht und der Zugang zu den Kindern geschieht digital. Wir klären Dinge, die die Kinder beschäftigen, wir beantworten Fragen und finden gemeinsam Antworten. Ich plane Unterricht... der dann aber doch irgendwie anders abläuft, als meine erdachte Struktur es vorgesehen hat. Aber das macht nichts. Wir sind füreinander da und versuchen die Situation so zu nehmen wie sie ist, mit allen Höhen und Tiefen. Zwei Schüler sind inzwischen in der Notbetreuung. Für diese biete ich zusätzliche Videochatzeit an, um auch Ihnen das gleiche Angebot zuteil werden zu lassen, wie den anderen, die vormittags am Digitalen Klassenzimmer teilnehmen. Auch nach der Ersteuphorie, uns zu sehen und zu genießen, dass die Isolation zumindest ein kleines bisschen mit Hilfe der Technik überwunden werden kann, bin ich beeindruckt vom outcome. Nach wie vor muss ich auf Ungeplantes reagieren und kreativ mit Problemen umgehen. Ich wünschte mir einen Chatraum, der für die Kinder selbstständig zu betreten ist und stabil läuft. Immer wieder verliere ich Kinder. Wir finden dafür zwar Lösungen, doch würde ich mir zukünftig wünschen, dass kein Kind aufgrund technischer Herausforderungen verloren geht. Meine SchülerInnen meistern inzwischen solche Situationen souverän. Sie wissen, dass sie es später noch einmal versuchen müssen, sie suchen sich Hilfe bei ihren Eltern oder bekommen einen neuen Chatraum von mir genannt, in dem wir uns zur späteren Uhrzeit wieder treffen. Ein Chatraum, welcher es ermöglicht, dass die Kinder mir ihre Ergebnisse schicken, mir situativ etwas aufschreiben und zusenden und das vor allem für GrundschülerInnen selbstständig zu bedienen ist, wäre wunderbar. Ich bin gespannt, was wir als Klasse weiter erleben. Meine SchülerInnen erscheinen mir sehr dankbar. Für heute mache ich Schluss. Morgen sehen wir uns als Klasse wieder. Ich freue mich darauf. 

Tag 8 digitales Klassenzimmer - 22.04.2020

Der Unterricht nimmt immer mehr Form an. Heute nahmen 12 von 13 Kindern teil. Auch SchülerInnen, die die Notbetreuung in Anspruch nehmen müssen, erhalten von mir das Angebot, im Anschluss an ihre Betreuungszeit, sich mit mir im Chat zu treffen. Dies wird gerne angenommen. 

Im Unterricht besprechen wird die erledigten Aufgaben und reden über die zukünftigen, für den Folgetag. Ich habe das Gefühl, dass dies eine große Hilfe für die Kinder darstellt und für die Eltern eine Entlastung bedeutet. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass ich den Zugang zu den Kindern nicht verliere, ihre Lernhaltung und Lernergebnisse sehe und beurteilen kann. So kann ich, wenn der Unterricht im realen Klassenraum wieder startet, direkt an mein pädagogisches Handeln anknüpfen. Meine Homepage dient weiterhin als Lernplattform im Hintergrund. Hier stelle ich unter anderem die von einer Kollegin und mir erstellten Videos online, die als Wissenssicherung ihren Nutzen finden. Heute habe ich mit den Kindern über diese Lernvideos gesprochen. Einstimmig fanden die SchülerInnen die Filme als sehr gute Unterstützung für ihr Lernen. Sie wünschen sich weitere Videos, um sich selbstständig mit den Lerninhalten vertiefend zu beschäftigen. Da die Videos jedoch sehr zeitaufwendig sind, wird es während der Unterrichtszeit maximal jeden dritten Tag einen neuen Film geben können. Zeitlich ist es wohl leider nicht möglich mehr zu produzieren. Die Videos erweisen sich trotz des Zeitaufwandes als große Hilfe. Sie können von vielen SchülerInnen, nicht nur meinen, geschaut werden. Es scheint großen Bedarf an Lehrfilmen zu geben. Aus diesem Grund werden eine Kollegin und ich uns vertiefend mit der Thematik beschäftigen. 

Der heutige Unterricht verlief sehr strukturiert. Ich besprach Beispielaufgaben, führte in ein neues Thema ein (Sinnesorgane: Haut) und sicherte Lerninhalte. Fragen der Kinder konnten, soweit ich das beurteilen kann, alle geklärt und beantwortet werden. Insgesamt waren die SchülerInnen sehr fleißig und produktiv. Das Lernpensum ist überraschend ähnlich wie im realen Unterricht. Das ist erstaunlich. Beeindruckend finde ich, dass die meisten Kinder eine sehr gute Einstellung zum Lernen haben und selbst inzwischen sehr strukturiert vorgehen. Sie nutzen die Möglichkeit, während ihrer eigenaktiven Arbeitsphase, zu mir in den Chat zu kommen, um Ungeklärtes zu erfragen. Hierdurch wird das weitere selbstständige Arbeiten und Üben möglich. Ich bin stolz auf meine SchülerInnen, dass sie (trotz sozialer Isolierung von ihren Peer Gruppen), sich so zugewandt und mit positiver Haltung auf das neue Lernen einlassen. Ich vermisse die Kinder. Dennoch ist der Weg, den wir gerade gemeinsam gehen, lohnenswert und vielleicht stecken wir andere an, die dies auch versuchen, der Kinder wegen. Aber auch für mich als Lehrerin ist es ein wunderbares Gefühl, die glänzenden Kinderaugen zu sehen, die mit Freude in die Kamera schauen und ihr Bestes geben. Wunderbar, dass es euch gibt. Morgen sehen wir uns wieder. Ich freue mich darauf. 

Tag 9 digitales Klassenzimmer - 23.04.2020

12 von 15 SchülerInnen waren dabei.

Der Unterricht folgte meiner geplanten Struktur. So langsam haben wir uns als Klasse in das digitale Lernen eingearbeitet. 14 Tage Ferien hatten kurzzeitig dazu geführt, dass wir ein paar technische Hürden überwinden mussten, die sich aber lösen ließen. 

Im Morgenkreis führte ich ein neues mathematisches Thema ein. Gemeinsam fanden die Kinder heraus, dass der Impuls wohl Schulwege von Kindern darstellte. Wir wandelten km in m um und lernten, die Strecken in Stellentafeln einzutragen. Mit Hilfe der Programme auf meinem Rechner lässt sich sehr schnell vieles erklären, was im Klassenraum ohne technische Hilfsmittel so nicht möglich ist. Ich war auch heute wieder begeistert von der Konzentration der SchülerInnen. Im Regelunterricht sind sie viel abgelenkter, als sie das momentan sind. Inhaltliche Probleme kläre ich mit den Kindern im Einzelunterricht oder in Kleingruppen. Ich bin gespannt, was morgen bringt. Geplant habe ich einen Wochenabschluss und eine Feedbackrunde. Weiterhin möchte ich morgen gerne Schülerwünsche für die kommende Woche sammeln und meinen Unterricht darauf abstimmen. Letztlich geht es um die Lernerfolge der Kinder. Je mehr ich auf ihre Bedürfnisse eingehe, desto motivierter sind sie. 

Tag 10 digitales Klassenzimmer - 24.04.2020

13 von 15 SchülerInnen haben heute teilgenommen. 

Ein typischer Tag im digitalen Klassenzimmer:

Um 7.30 Uhr beginne ich mit den Unterrichtsvorbereitungen. Ich schreibe meine Vorlagen, die ich den Kindern später im Unterricht zur Verfügung stellen werde (Tagesablauf, Aufgabenvorbereitung), ich recherchiere nach geeigneten Medien, drucke meine Tagesstruktur aus, lese mir nochmals die Notizen vom Vortag durch und strukturiere meinen geplanten Unterricht. Ab 9.30 Uhr logge ich mich in meinen Chatraum ein, in welchem ich um 10.00 Uhr meinen Unterricht starte. Der Grund, warum ich bereits eine halbe Stunde eher im Raum bin, ist darin zu suchen, dass einige Schülerinnen dort bereits vor dem Unterrichtsstart eintreffen und sehr vielfältigen Quatsch machen. Ich möchte im Chatraum die Aufsicht führen, deshalb bin ich bereits frühzeitig zugegen. Zukunftsweisend könnte man hier Abhilfe schaffen, wenn es ein Tool gäbe, in welchem keine vorzeitige Einwahl möglich ist. Ab 10.00 Uhr begrüßen wir uns. Jedes Kind wird einzeln angesprochen. Diese Ritual erweist sich als sehr hilfreich, um wahrgenommen zu werden, das Gefühl zu haben, eine Rolle zu spielen und dazuzugehören. In dieser Phase überprüfe ich auch die Vollzähligkeit der SchülerInnen. Im Anschluss besprechen wir, welcher Tag heute ist und reden über die Tagesagenda, die ich den Kindern vorstelle. Zieltransparenz wird hergestellt. Die Kinder wissen, was auf sie zukommt, was von ihnen erwartet wird. Alle drei Hauptfächer bekommen täglich einen Platz. Wir sprechen über mathematische Inhalte, lösen gemeinsam Aufgaben, erarbeiten ein neues Thema. Fächerübergreifende Aufgaben und Kunstprojekte werden ebenfalls während der Online Zeit erklärt, vorgestellt und Aufgaben hierzu erteilt. Die Kinder haben bereits Steine bemalt, sie als Symbol für unser Miteinander an die Schule gelegt. Aus Klopapierrollen haben sie beispielsweise ein fantastisches Gebäude gebaut. Wir beschäftigten uns mit Rechtschreibung, schreiben Geschichten, lesen uns diese vor, singen Geburtstagslieder für Geburtstagskinder. Themen der Kinder greife ich auf, binde sie in meinen Unterricht ein. Die Medienkompetenz erweitern steht täglich auf unserem Lehrplan. Hierzu stelle ich den Kindern immer neue Aufgaben, lasse sie sich gegenseitig erklären, wie man zu welchen Informationen kommt und was man dafür tun muss. Meine Lehrfilme, die ich für die SchülerInnen erstelle, dienen als Kurzimpulse oder der Wiederholung. Die Kinder empfinden die von mir erstellten Filme als sehr unterstützend. Ich sehe großes Potential darin und würde mir wünschen, dass es in Zukunft einen Pool solcher Materialien geben wird, auf welchen ich zurückgreifen kann. In den ersten 1,5 Stunden des Digitalen Schulalltags ist der Unterricht geprägt vom Erarbeiten von Inhalten. Im Anschluss an diese Zeit gehen die Kinder in die Phase des selbstständigen Arbeitens. Die Aufgaben bekommen sie in der Einstiegsphase in den ersten 1,5 Stunden. Ich stehe auch in den kommenden 1,5 Stunden  für die SchülerInnen zur Verfügung, falls sie Fragen haben, Unterstützung benötigen oder einfach nur mal reden wollen. Nach dieser "freien Arbeitszeit" treffen wir uns zur Ergebnissicherung alle wieder. Wir klären Stolperstellen, sprechen über die Aufgaben, stellen Lösungswege vor und verschaffen uns einen Überblick über den Vormittag. Wie zufrieden warst du mit deiner heutigen Arbeit? Die Kinder haben hierauf meist eine sehr selbstkritische Sicht. Ich bin sehr zufrieden mit den Leistungen meiner SchülerInnen. Sie sind sehr konzentriert und überaus nah am Lernen. Das ist faszinierend und zeigt mir, dass wir gemeinsam auf einem guten Weg sind. Die SchülerInnen schicken mir die Aufgaben per Mail als Foto zu. So verschaffe ich mir zusätzlich zum "Präsenzunterricht" einen guten Überblick über die Leistungen der Kinder. Ich korrigiere die Ergebnisse und schicke sie per Mail mit Feedback an die Kinder zurück. Im Grunde läuft der normale Unterricht weiter. Selbst Sport, Kunst und philosophische Themen sind ein Teil unseres neuen Alltags. Allseitiger Unterricht - wenn auch mit Distanz - und doch nah am Kind. Der Schulalltag in finnischen Schulen ähnelt meinem Handeln. Es ist auch bei uns möglich, man muss es bloß wollen. 

(https://m.tagesspiegel.de/berlin/um-neun-uhr-gibt-es-den-ersten-videochat-homeschooling-in-berlin-und-finnland-ein-vergleich/25737678.html?utm_referrer=https%3A%2F%2Fm.facebook.com%2F&fbclid=IwAR24bDJb1lJ1iL91mZcZuPD6DYMR6XkMnPfAEMf1WcEH5Z1l2JFYVrz2WOI) 

Für heute soll es genug sein. Morgen widme ich mich den vielen Aufgaben, die heute vor lauter Chats, Elterngesprächen, Emailbeantwortung, Vor- und Nachbereitung, Evaluation und Konzeptanpassungen liegen geblieben sind. Ich freue mich darauf. Jeder Tag ist ein Gewinn.

In der kommenden Woche plane ich für meine SchülerInnen eine Umfrage zum digitalen Unterricht. Auf die Ergebnisse bin ich schon jetzt sehr gespannt. 

Tag 11 und 12 digitales Klassenzimmer - 27.04./28.04.2020

13 von 15 Schülern nahmen teil. 

Die beiden letzten Tage fasse ich aus Zeitgründen zusammen. Im Grunde folgt der schulische Vormittag einem festgelegten Ablauf. Wir starten mit einer Begrüßung, schaffen Tagestransparenz und erarbeiten uns neue Inhalte. Fragen des Vortags werden beantwortet. Wir feiern Geburtstage, indem wir dem Geburtstagskind ein Lied singen. Dies ist ein Ritual, welches auch im realen Klassenraum stattfindet. Wegfallen muss leider das "Hochgehobenwerden" durch vier SchülerInnen. Dies ist digital nicht umzusetzen. Dennoch haben wir gemeinsam viel Spaß. Das Lernen folgt einem verlässlichen Rhythmus. Dies schafft Sicherheit. Die SchülerInnen sind weiterhin hoch motiviert. Störungen, die es im realen Unterricht gibt, kommen im digitalen Unterricht nicht oder anders vor. Ein paar Mal wurde ich von einem Kind aus dem Chat geworfen, ob das mit Absicht oder aus Versehen geschah, habe ich nicht klären können. Ein Tool, in welchem ich nur Moderationsrechte habe, würde Abhilfe schaffen. Daher hoffe ich sehr, dass es dies irgendwann geben wird. Jitsi ist toll, hilft uns zur Zeit auch sehr, aber ein kinderfreundliches Programm wäre hilfreicher. Mein Traum wäre es, ein Programm zu haben, das es auch ermöglicht die SchülerInnen zu sehen, während ich meinen Bildschirm teile. Auch wünschte ich mir, ein digitales Whiteboard einsetzen zu können, welches ich für den online Unterricht verwenden kann und auf welchem ich Schreibrechte für die Kinder einräumen könnte. Die Möglichkeit, dass die Kinder ihre Ergebnisse auf meinen PC laden können, wäre auch fantastisch. Ich denke, dass diese Wünsche technisch sicherlich umzusetzen wären. Jedoch habe ich bisher mit keinem IT Fachberater sprechen können, um zu klären, ob dies technisch zu realisieren ist. 

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass sich Unterrichtsalltag einstellt. Die Kinder sind souverän im Umgang mit der Technik und widmen sich ihrem eigenen Lernen. Kleine Lerngruppen haben sich bereits gebildet. Auch wird sich gegenseitig unterstützt und geholfen. Es ist faszinierend anzuschauen, mit welcher Leichtigkeit sich die Kinder an die neue Situation angepasst haben. Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass diese Form des Unterrichts besser ist, als mit den Einschränkungen, die man ihnen auferlegen müsste, wenn wir die Schulen aktuell öffnen würden. Die Kinder und Lehrkräfte sind in einem geschützten Raum. Psychische Belastungen durch notwendige besonderen Verhaltensweisen wie: "nähert euch nicht, haltet Abstand voneinander, wascht euch die Hände permanent und ständig, hustet nicht ohne euch den Arm vor das Gesicht zu halten, niest am besten gar nicht und vor allem bleibt mit Distanz voneinander weg, auch von den Lehrkräften", entstehen erst gar nicht. Wenn ich es zu entscheiden hätte, würde ich mit meiner pädagogischen Brille sagen, dass diese Form des Unterrichtens anhalten sollte, bis die Schulen wieder in gewohnter Weise öffnen können. Alles andere finde ich für die Kinder nicht zumutbar. Die Gewöhnungsphase zur Umstellung auf digitalen Unterricht hat bei meiner Klasse ca. 5 Tage gedauert. Hiernach war zunehmend richtiger Unterricht möglich. Wenn sich weitere Lehrer trauen würden, diesen Schritt zu wagen, würden einige Probleme erst gar nicht entstehen. Zukunftsweisend hoffe ich, dass Lehrkräfte ausgebildet werden oder sich selbst weiterbilden, um guten digitalen Unterricht planen und umsetzen zu können. Es ist möglich, zumindest temporär. 

Meine eigene Weiterbildung besteht vor allem im Selbststudium, aber auch im Besuch von Webinaren, um mein Wissen im Bereich des digitalen Unterrichtens bestmöglich zu erweitern. Webinare zum digitalen Unterricht werden in vielfältiger Weise angeboten. Liebe Lehrkräfte, nutzt diese Möglichkeiten. 

Für heute soll es genügen. Morgen sehe ich meine SchülerInnen in lieb gewonnener digitaler Weise wieder. Ich freue mich auf sie. Bis morgen. 

Tag 13 und 14 digitales Klassenzimmer - 29.04./30.04.2020

An beiden Tagen erreichte ich 12 von 15 Kindern. Ein Kind ist erkrankt, ein Kind in der Notbetreuung und ein weiteres erreiche ich nur per Post. Nächste Woche werden voraussichtlich wieder 14 von 15 meiner SchülerInnen dabei sein.

Wir sind inzwischen tiefer ins Lernen eingestiegen. Diese beiden Tage dienten aus pädagogischer Sicht dem Blick auf Kompetenzerweiterungen. Die Kinder erweitern täglich ihre digitalen Kommunikationsmöglichkeiten, indem sie per Mail, Chat und Videokonferenz mit mir und untereinander kommunizieren. Es ist erstaunlich, wie selbstständig alle Kinder nach nunmehr 3 Wochen digitalem Unterricht mit diesen Medien umgehen. Mein bisheriger Regelunterricht hat diese Kompetenzen eher stiefmütterlich behandelt. Umso mehr bin ich froh, dass wir gemeinsam diesen Weg des Lernens für uns als Klasse gefunden haben. Die Verhaltensregeln für die digitale Unterrichtszeit haben wir gemeinsam erarbeitet. Die Kinder fanden heraus, was für den Unterricht störend ist und was hilfreich sein könnte. Durch dieses Vorgehen ist es möglich, sich mit den Regeln zu identifizieren und die Sinnhaftigkeit von diesen Regeln zu erfahren. Ethische Prinzipien wurden berücksichtigt. Der Umgang miteinander ist höflich, respekt- und vertrauensvoll. Die gesammelten Erfahrungen innerhalb des Videochats und während des gemeinsamen Lernens geben die SchülerInnen an ihre MitschülerInnen weiter. Die Kinder stellen Fragen und erklären sich Aufgaben gegenseitig. Wir beachten Persönlichkeitsrechte, sprechen über das Recht am eigenen Bild und haben herausgefunden, was Urheberrecht und Nutzungsrechte bedeuten. Es ist längst kein einseitiger Unterricht mehr, sondern er ist vielfältig und allseitig. Das macht das Lernen so spannend. Die SchülerInnen haben in dieser Woche Berichte über ihr digitales Klassenzimmer geschrieben. Ich werde die Berichte nun korrigieren. In der kommenden Woche schreiben die SchülerInnen die Berichte nochmals in ihrer schönsten Schrift auf. Es wird ein Buch aus der Sicht der Kinder entstehen, in welchem sie über ihr neues Lernen und das Miteinander erzählen. Einige emotionale Momente begleiteten mich, als mir bereits einige SchülerInnen ihre Werke vorlasen. Danke ihr Lieben, ihr seid die Besten. 

In der kommenden Woche werden wir den Zauberlehrling aufnehmen. Aus den Stimmen und gezeichneten Bildern der Kinder wird ein Film entstehen, produziert im digitalen Klassenzimmer mit Hilfe von unterschiedlichen Medien. Ich möchte zeigen, dass vieles möglich ist, wenn man den Mut dazu hat, sich einlässt auf die neue Situation und die Möglichkeiten kreativ nutzt. 

Die Wochenpläne für die kommende Woche sind erstellt. Die Kinder haben ihre Materialien bereits erhalten. Der Lernplan ist digitalisiert in einem Padlet zusammengefasst. Zur Zieltransparenz habe ich den SchülerInnen eine Lernlandkarte (https://de.padlet.com/christianestricker/mi5brbhovv5u) erstellt. Hieraus erschließen sich die Lernziele für die Woche. Am Ende der Woche werden sich die SchülerInnen selbst einschätzen. Wir werden über die Ergebnisse sprechen, darüber nachdenken, ob die Arbeitseinstellung zufriedenstellend ist oder ob daran gearbeitet werden muss und falls ja wie. Aus diesen Eindrücken planen wir die sich anschließende Woche. Ich freue mich schon jetzt auf das Buch über das digitale Klassenzimmer und den Zauberlehrling. Beides werden wir online zur Verfügung stellen. 

Tag 15 digitales Klassenzimmer - 04.05.2020

Teilnehmende: 13 SchülerInnen und ich

Leider war unser heutiger Schultag von einer technischen Barriere überschattet. Für mehr als 5o Minuten gelang es mir nicht, meine SchülerInnen zu hören. Untereinander konnten sich die Kindern verständigen. Dies führte dazu, dass wir sehr kreativ mit dieser Herausforderung umgingen. Teilweise schrieben die Kinder ihre Fragen auf und hielten sie in die Kamera, teils schrieben sie in den Chat, teils stellten sie sich gegenseitig ihre Fragen oder ließen die Fragen durch Klassenkameraden aufschreiben. Mit einem vernünftigen, stabil laufenden Tool wären diese Hürden schnell überwunden. Trotz der Probleme widmeten wir uns dem Unterricht. In dieser Woche wird es vor allem um unser Buch: Das digitale Klassenzimmer aus der Sicht eines Schülers/Schülerin gehen und um den Zauberlehrling, den wir verfilmen wollen. Die Bilder sind in Arbeit, die Kinder sind hierbei sehr kreativ und haben begonnen, die schwierigen Sätze aus der Ballade zu lesen und zu lernen. Zudem werden wir uns mit Größen: Geld und dem Rechnen mit Geld beschäftigen. Für die Wochentransparenz erhielten meine SchülerInnen eine Lernlandkarte, die sie über ihr Padlet abrufen können. Durch diese Zieltransparenz erhoffe ich mir, dass die Kinder einen Überblick über ihre Lernziele behalten und falls sich Probleme ergeben, diese ersichtlich werden.

Heute muss ich einfach auch mal Frust loswerden. Meine eigenen Kinder erfahren gerade wenig erfreulichen Unterricht. Sie werden ziemlich alleine gelassen mit ihrem Lernen. Es findet kein digitaler Unterricht statt, jedoch gilt es eine Flut von Arbeitsblättern zu erledigen und sich neue Inhalte selbstständig zu erschließen. Dies ohne jedwede zielführende pädagogische Zuwendung. Dies führt zur totalen Überforderung, zumal die Kinder sozial isoliert sind und ihren gewohnten Hobbys nicht nachgehen können. Liebe Lehrer, getraut euch in den Videochat, unterrichtet eure SchülerInnen digital und seid für sie da. Es ist unglaublich wichtig für die Entwicklung. Meine Kinder leiden sehr darunter, dass sie zum einen derart alleine gelassen sind und zum anderen sehen, wie ihre Mama sich für andere Kinder einsetzt. Es ist möglich für eure SchülerInnen unterstützend da zu sein, jedoch reicht es leider nicht, Emails zu beantworten, zu warten, bis euch die SchülerInnen Aufgaben mailen und mit der Flut an Aufgaben überfordert sind. Offene Aufgaben, die das entdeckende Lernen fördern sind sinnvoll. Auch Gruppenarbeiten sind möglich, hier helfen eine Vielzahl von Tools: Etherpad, Padlet, Mentimeter usw. Täglich gibt es die verschiedensten Webinare, die die Kreativität der Lehrkräfte fördern und fordern. Mediale Möglichkeiten sind unwahrscheinlich vielfältig und hilfreich. Es gibt wunderbare Ideen, man muss sie nur umsetzen. Mit diesen Worten beende ich meinen Arbeitstag. Vielleicht schwappen Ideen zu anderen Lehrern über. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. 

Tag 16 digitales Klassenzimmer - 05.05.2020

Teilnehmende SchülerInnen: 13 

Unser täglicher Begleiter ist: technisches Problem. Verwunderlich finde ich dies jedoch nicht, da Jitsi ein kostenfreies Angebot ist. Mein Headset ist für das Tool, mit gleichzeitig mehr als 10 "eingeloggten" Kindern, leider auch nicht mehr zu verwenden. Die Kinder würden mich zwar hören, ich sie aber nicht, was für sinnvollen Unterricht durchaus unbrauchbar ist. Es liegt definitiv nicht an der Hardware, das habe ich inzwischen mehrfach überprüfen lassen. Aber besser macht es diese Tatsache auch nicht.

Unterrichtsthemen wie: Wort des Tages, Blitzrechnen in allen Rechenarten, sowie gemeinsames Sprechen der Ballade vom Zauberlehrling begleiten unseren Vormittag. Den Zauberlehrling habe ich inzwischen für die Kinder als MP3 aufgenommen und auf meiner Homepage zum Üben zur Verfügung gestellt. Da die SchülerInnen aus dem Unterricht das Lesetandem kennen, erhoffe ich mir mit Hilfe der MP3, dass die SchülerInnen ihren Text selbstständig üben können. Ich bin gespannt, was mir die Kinder morgen zum Übungsprozess mit Hilfe des Audiofiles berichten werden.

Das Sprechen über die Lernlandkarte und Zieltransparenz für die Schulwoche begleitete unseren Unterricht. Die SchülerInnen kennen dieses Vorgehen aus dem Regelunterricht bisher nur mündlich, umso mehr bin ich gespannt, wie sie mit dieser neuen Form der Zieltransparenz umgehen und was dies für den jeweiligen Lernprozess bedeuten wird. Im Anschluss an die Zeit mit allen Kinder der Klasse (ein Kind besuchte heute die Notbetreuung) folgten Kurzgespräche mit einzelnen SchülerInnen, die besondere Bedürfnisse aufweisen. So stelle ich sicher, dass ich kein Kind ohne ausreichend Vorbereitung in die "Freiarbeitsphase" entlasse. Diese Möglichkeit nutzen die Kinder rege und dankbar. Die Beziehung, die ich zu den SchülerInnen habe, erhalte ich auch im digitalen Klassenzimmer aufrecht. Die Kinder erzählen mir von ihren Sorgen und suchen Unterstützung, wenn sie diese benötigen. Ein reger und intensiver Austausch ist in den vergangenen vier Wochen entstanden, den ich nicht missen möchte, der mich aber auch, wenn die Schule wieder ihren Regelunterricht aufnehmen kann, in meiner pädagogischen Arbeit anknüpfen lässt. Ich habe einen guten Überblick über die Fähigkeiten der Kinder, in dieser besonderen Lernsituation zeigen sich Kompetenzen, die ich aus dem Regelunterricht nicht kannte. Ein paar davon möchte ich gerne aufgreifen, weil ich so stolz auf meine SchülerInnen bin: empathische Fähigkeiten: es wird sich umeinander gekümmert und aufeinander geachtet, die Kinder denken sehr kreativ und lösungsorientiert, Sprachfähigkeiten kommen zu Tage, die ich im Regelunterricht nicht beobachten konnte, unfassbare Selbstständigkeit und Struktur ist zu sehen, die Kinder zeigen Medien- und Methodenkompetenzen, die ich bisweilen nicht beobachten konnte.... ich bin wirklich absolut stolz auf meine Klasse. Sie sind in sehr vielen zukunftsfähigen Bereichen unbeschreiblich kompetent. Danke, dass ihr so wunderbar seid. 

Die Kinder verabschiedete ich bereits um 11.30 Uhr, da ich selbst für ein Webinar zum Edudip Tool angemeldet war. Das Webinar war sehr lehrreich und weckte weitere Vorfreude auf das bald zur Verfügung stehende Konferenztool. Ich freue mich sehr, dies zeitnah mit meinen SchülerInnen testen zu können, da es eine Reihe von Möglichkeiten bietet, die ich aktuell mit jitsi nicht habe (siehe Blogbeitrag: Wie schön wäre es ein Konferenztool zu haben, welches...). Bis dahin nutze ich das "liebgewonnene Jitsi", welches die Kinder inzwischen intuitiv bedienen. Der Zeitplan für morgen sowie der Link zu unserem Klassenraum sind verschickt. Ich werde mich nun verabschieden. Schlaft gut ihr Lieben, bis morgen. 

Tag 17 digitales Klassenzimmer - 06.05.2020

Wir starteten in den Unterrichtstag mit 14 von 15 Kindern. Es hätte perfekt sein können, wenn die Technikhürde uns nicht wieder getrennt hätte. Da ich dieses Problems inzwischen überdrüssig bin, begann ich heute ein Testabo bei edudip. Zwei erste Testchats bewiesen sich als äußerst vielversprechend und so werde ich morgen mit der kompletten Klasse über diesen Anbieter meinen Unterricht halten. 

Zum Unterrichtstag: Da meine SchülerInnen inzwischen "alte Hasen" im digitalen Unterricht sind, verläuft der Unterrichtstag stets geordnet und folgt einer Struktur. Unsere einzige Hürde besteht jedoch nach wie vor in Technikschwierigkeiten, die ich mir mit Hilfe eines neuen Tools zu überwinden hoffe. Die Agenda im Morgenkreis verschafft Zieltransparenz für den Unterrichtstag. Auch heute erarbeiteten wir zu Beginn des Unterrichts gemeinsam Aufgaben. Auf der Agenda standen: Wort des Tages , Rechtschreibstrategien und Wortfamilien, Blitzrechnen und der Zauberlehrling. Die Kinder legen täglich ihre individuellen Ziele fest, wobei ich unterstützend und beratend tätig bin. Die meisten schätzen sich sehr realistisch ein und erreichen häufig ihre selbst gesetzten Ziele. Auch heute waren die SchülerInnen in der Reflexionsphase wieder sehr kritisch mit sich selbst. 3 von 12 Kindern wirkten zufrieden mit ihrer Leistung, 9 Kinder waren der Überzeugung, mehr schaffen zu müssen und nahmen sich vor, nach einer Mittagspause noch weiter fleißig zu sein. Ob sie das wirklich sein werden, erfahre ich meist am darauffolgenden Schultag.

Morgen wollen wir die ersten Tonaufnahmen zum Zauberlehrling tätigen. Die Kinder werden jeweils selbst entscheiden, ob sie mit ihrer Aufnahme zufrieden sind oder nicht. Ich habe ihnen versprochen, dass ich nur Tonaufnahmen verwenden werde, mit welchen das jeweilige Kind glücklich ist. In den vergangenen drei Tagen haben die Kinder ihre Texte bereits fleißig geübt. Goethes Originalsprache ist für Drittklässler nicht einfach. Meine SchülerInnen stellen sich jedoch mit großem Spaß der Herausforderung. Fleißig werden Szenen zum Zauberlehrling gezeichnet. Einige Bilder sind bereits fertiggestellt und warten auf ihre Digitalisierung, Manche Kinder fotografieren gerne selbst. Dies ist eine wunderbare Unterstützung für mich. Die Klasse ist schon total gespannt, manche Kinder sind sehr aufgeregt. Frau Stricker, was passiert, wenn man sich während der Tonaufnahme verspricht? Gemeinsam klärten wir, dass dies einer der Vorteile von Tonaufnahmen darstellt. Bei einer realen Aufführung ist es tatsächlich peinlich oder unangenehm, wenn man sich verspricht. Eine Tonaufnahme kann man so lange wiederholen, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Diese Erkenntnis hat sehr zur Beruhigung unsicherer Kinder beigetragen. Täglich neu ist es spannend, wie die Kinder ihre Welt wahrnehmen und welche Gedanken sie sich machen. Auch ich mache mir jetzt meine Abendgedanken, die davon geprägt sind, ob das neue Testtool für morgen reibungslos funktioniert und wie Schulen wohl die geplanten Schulöffnungen umsetzen werden. Ich bin zugegeben sehr skeptisch, ob das Beschulen unter den nötigen Hygienevorgaben für GrundschülerInnen eine geeignete Form des Miteinanders darstellen kann. Kekulé, ein bekannter Virologe konstatiert: "Kinder in diesem Alter durch Mundschutz und Hygieneerziehung vor Infektionen zu schützen ist illusorisch und hätte das Potential. eine ganze Generation psychisch zu traumatisieren." Quelle: Klick hier, abgerufen am 06.05.2020. Meine Gedanken sind ähnliche. Nicht zuletzt diese Sorge trieb mich an, eine andere Form des Lernens zu etablieren. Ich wage zu behaupten, dass meine Form des Unterrichts im digitalen Klassenzimmer für die Kinder geeigneter ist, als sie unter massiven Hygienevorschriften und Einschränkungen in die Schulen zu schicken. Aktuell ist für mein Verständnis in den Klassenräumen sicherlich kein vernünftiger Unterricht möglich (siehe Foto unten).

Lediglich Frontalunterricht kann angeboten werden, kooperatives Lernen ist unter diesen Bedingungen nicht möglich. Die übliche distanzlose Zuwendung ist verboten, Sport und Musik nicht erlaubt zu unterrichten, Sozialkontakt auf Abstand? Ich hoffe sehr, dass dies kein Massentraumatisieren zur Folge hat, denn dann haben wir ganz andere Probleme als eine Weile digitales Lernen von zu Hause aus anzubieten, selbstverständlich konzeptionell ausgearbeitet und mit Qualität, die auf die jeweiligen Bedürfnisse der SchülerInnen abgestimmt ist. Mir ist klar, dass die Aneignung des Wissens für die Lehrkräfte mit einem großen Aufwand verbunden ist, sie lohnt sich aber für unsere Kinder und ist nachhaltig, da zukunftsweisend ein enormes Potential in diesem Wissen steckt. 

Mit Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass es spät geworden ist. Aus diesem Grund verabschiede ich mich und wünsche allen Lesern eine gute Nacht. 

Bildquelle: https://www.wochenblatt.de/news-stream/deutschland-welt/artikel/323695/erste-schulen-in-daenemark-oeffnen-nach-corona-schliessung-wieder

 

Bild einer Schülerin

Tag 18 digitales Klassenzimmer - 07.05.2020

14 von 15 Kindern nahmen teil. 

Wir starteten mit einem neuen Anbieter: edudip. Jedoch stellte sich schnell heraus, dass sich die Einwahl nicht so intuitiv darstellt, wie ich mir erhofft hatte. Einige Kinder waren nur als Zuschauer angemeldet. Als Moderator ist es wohl leider nicht möglich, auf die Einwahl Einfluss zu nehmen. Ich werde heute recherchieren, an was dies gelegen haben könnte und werde, sobald ich eine Antwort gefunden habe, diese auch veröffentlichen. Das Wichtigste jedoch ist, den Eltern zu erklären, wie das Einloggen funktioniert, damit wir morgen hoffentlich reibungsloser starten. Die Unterrichtsplanung wäre jedenfalls mit Hilfe einer Dateiablage und den Möglichkeiten, die edudip bietet, einfacher. Daher arbeite ich fieberhaft an einer funktionsfähigen Lösung. Mein Wunsch bleibt, ein Videochat extra für Grundschüler zu programmieren, welches die Bedürfnisse von Lehrkräften und ihren SchülerInnen aufgreift und die Lösung technisch umsetzt. 

Nachdem es lediglich 4 SchülerInnen von 14 gelang, edudip als Teilnehmer zu betreten, beendete ich das Webinar und traf mich wieder in Jitsi meet. Nun begann der Unterricht. Meine Planung war jedoch zunichte und die vorbereiten Medien konnte ich auch nicht nutzen. Ich musste improvisieren. Sich Ärgern und Aufgeben liegt nicht in meiner Natur und so halte ich hartnäckig an meinem Verbesserungswillen fest und habe mein Ziel vor Augen. Guter Unterricht ist kein Zufall, sondern resultiert aus Planung, Evaluation und didaktischer Entwicklung... Auch heute stand Blitzrechnen im Zahlenraum bis 50 in allen Rechenarten auf dem Programm. Wir beschäftigten uns mit dem Wort des Tages und Rechtschreibstrategien, übten fleißig den Zauberlehrling und nahmen die ersten Tonsequenzen auf. Selbstverständlich verschafften wir uns auch wieder Zieltransparenz. "Welche Aufgaben kannst du heute in deiner Freiarbeitszeit schaffen?" An jeden Unterrichtstag schließt sich eine Reflexion an, so auch heute. Die Kinder überprüfen ihre Arbeitseinstellung, klären, welche Ziele sie sich gesetzt und was sie davon erreicht haben und nutzen ihre Erkenntnisse, um ihren darauffolgenden Schultag zu planen. In der Feedbackrunde kamen die Kinder zu folgendem Ergebnis:

1 Kind konnte nichts zur eigenen Arbeitseinstellung sagen, da es erst am Nachmittag fleißig sein wollte,

1 Kind war unzufrieden mit der eigenen Leistung,

3 Kinder fanden ihre Arbeitshaltung ok, aber verbesserungsfähig und

6 Kinder waren mit sich zufrieden.

Auch heute waren die meisten wieder sehr kritisch. Das eigene Lernen bewerten die SchülerInnen nach wie vor sehr streng. Aus Lehrerperspektive finde ich die Kinder im digitalen Klassenzimmer sehr engagiert, effektiv arbeitend und motiviert. Vergleiche ich Unterricht im Klassenraum mit Unterricht im digitalen Klassenzimmer erscheint mir die Arbeitshaltung im digitalen Raum bei einigen sehr viel engagierter als im realen. Mit Blick auf die ersten Tagen dachte ich, dass dies mit der neuen Lernsituation zusammenhängen könnte, da Neues motiviert und anspornt. Aber vielleicht liegt es an Faktoren, die im digitalen Klassenzimmer anders sind. Die Kinder können sich nicht so intensiv und unbeaufsichtigt austauschen, wie in der realen Schule. Dieser Vergleich mit anderen führt bei einigen Kindern zu enormen Lernhemmungen. Auch findet keine Leistungsbewertung in Form von Noten statt. Dies entlastet Kinder sehr. Alle erhalten positives Feedback, Motivation und Ansporn. Kritik gibt es so gut wie keine. Selbst diejenigen, denen das Lernen nicht sehr leicht fällt, die viel Unterstützung benötigen, sind hoch motiviert. Alle erhalten zu jeder Zeit Feedback und direkten Austausch. Fragen werden den Vormittag über geklärt und bleiben nicht offen. Niemand wird mit seinen Problemen alleine gelassen, Aufgabenstellungen wiederhole ich so lange, bis die Aufgaben selbstständig gelöst werden können. Die Freiarbeitszeit wird von mir begleitet, manche Kinder verlassen den Chatraum nicht oder nur kurz für kleine Pausen und bekommen sehr viel Hilfe. Je mehr ich unterstütze, desto selbstsicherer und zunehmend selbstständiger werden sie. Es ist ein Genuss zu sehen, wie sich alle anstrengen und lernbereit sind. 

Morgen teste ich nochmals edudip und hoffe, dass sich die Probleme auflösen lassen, die sich heute zeigten. Falls dies nicht möglich ist, werde ich wieder auf jitsi meet zurückgreifen. 

Tag 19 digitales Klassenzimmer - 08.05,2020

Am Tag 19 haben 14 von 15 Kindern teilgenommen. Der Unterrichtstag verlief bis auf technische Hürden reibungslos und folgte meiner Planung. Wir waren sehr fleißig. Nach folgender Agenda gestaltete sich der Unterricht:

Wir erledigten die letzten Tonaufnahmen für unseren Zauberlehrling, den ich am Wochenende fertigstellen werde, um am Montag mit den Kindern über das vorläufige Produkt zu sprechen und Änderungsvorschläge anzunehmen. 

Die Abschlussreflexion ergab folgendes Bild:

Die Kinder sind weiterhin sehr kritisch mit sich selbst und beurteilen ihr eigenes Lernen sehr streng. Sehr erfreulich ist, dass sich fast alle sehr realistisch selbst einschätzen. Dennoch ist an der pädagogischen Leistungskultur weiter zu arbeiten. 

Am heutigen Tag stand für mich noch ein Besuch der Kinder auf der Agenda. Zum einen wollte ich mir die gezeichneten Bilder der SchülerInnen abholen und zum anderen die Einverständniserklärungen der Eltern einholen, um den Zauberlehrling auf meiner Homepage veröffentlichen zu dürfen. Mich real zu zeigen erschien mir nach vier Wochen online Unterricht wichtig und angemessen. Ich plante für diesen Besuch, selbstverständlich unter Einhaltung jeglicher Hygiene- und Abstandsregeln, zunächst eine Stunde ein. Letztlich wurden aus dieser einen Stunde fast 4 Stunden Besuchszeit. Es war schön, die Kinder in Lebensgröße zu sehen, mich mit Ihnen auszutauschen und Unterhaltungen mit den Eltern zu führen. Austausch und Kommunikation sind Grundbedürfnisse des Menschen. Meinen Dank richte ich an die Eltern meiner SchülerInnen, die zu jeder Zeit mein Projekt und das pädagogische Handeln mit den Kindern unterstützen. So stelle ich mir sinnvolles Miteinander in einem demokratischen System vor. 

Tag 20 digitales Klassenzimmer - 11.05.2020

13 von 15 SchülerInnen konnte ich heute erreichen. Es war klar, dass es nicht 14 Kinder sein werden, da eines der Kinder zeitweise an der Notbetreuung teilnimmt. Morgen werden es wieder 14 SchülerInnen sein. 

Der heutige Schultag folgte der Agenda:

Die ritualisierte Begrüßung, mit welcher wir in unseren Lerntag starten, macht immer wieder Freude. Die Kinder überlegen sich eine Bewegungsaufgabe, die alle zur Begrüßung ausführen. Täglich gibt es neue kreative Aufgaben, andere Kinder lieben Gewohntes und Wiederholung. Die unterschiedlichen Charaktere kommen hierbei zum Vorschein und finden Berücksichtigung. Dies erscheint mir sehr wichtig. 

Im Anschluss an das Ritual erlebten die Kinder ihre Premiere zum Projekt: Zauberlehrling. Es waren sehr emotionale Minuten. Bevor ich den Film zeigte, erhielten die Kinder folgende Beobachtungsaufträge:

1. Vergewissere dich, ob deine Bilder im Film vorkommen, falls nicht, teile mir dies im Anschluss mit.

2. Möchtest du etwas ändern und falls ja was und warum?

Gerne würde ich Bilder veröffentlichen, auf welchen die Emotionen der Kinder zu sehen sein würden. Dies ist jedoch aus Datenschutzgründen leider nicht möglich. Ein paar Einblicke möchte ich dennoch gerne mit Hilfe von Adjektiven zulassen: stolz, berührt, erfreut, glücklich, interessiert, neugierig, verzückt, aufgeregt, unsicher, begeistert. Diese Worte beschreiben die Gefühle der Kinder während ihrer Premiere sehr gut. Ich bin froh darüber, dass mich zwei Kinder darauf hinwiesen, dass ihnen jeweils ein von ihnen gezeichnetes Bild im Film fehlte. Diese beiden Bilder fügte ich selbstverständlich noch ein. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt. Die Kinder sollen sich mit ihrem Werk identifizieren und wohlfühlen. 

Zitate der Kinder: 

Im Anschluss an die Premiere und das Feedback, sowie der Klärung von Veränderungswünschen, schloss sich das Gespräch zum Wochenplan und zur Lernzieltransparenz an. Wöchentlich werden neue, zum Teil sehr individuelle Ziele formuliert, über die wir regelmäßig sprechen. Hierdurch soll Klarheit über die Anforderungen entstehen. Erfahrungsgemäß verhilft diese Vorgehensweise den Kindern sehr, die Lernziele zu erreichen. Selbstverständlich sind Ziele individuell. Daher stimme ich diese auch individuell mit den Kindern ab. Wir befinden uns permanent in einer Feedback- und Reflexionskultur. 

Das Wort des Tages lautete: Gruppenarbeitszeit. Dieses Wort bearbeiteten wir nach gewohnter Weise. Selbstverständlich hatte das Wort etwas mit dem heutigen Lernen zu tun, denn die Kinder sind in dieser Woche in Kleingruppen eingeteilt, um sich ein mathematisches Thema zu erschließen, welches am Freitag gruppenweise vorgestellt werden wird. Mein didaktischer Anspruch hierbei folgt dem Wunsch, zu zeigen, dass auch diese kooperative Lernform im digitalen Klassenzimmer möglich ist. Die Mathematikaufgabe ist kognitiv und sozial aktivierend und bietet innere Differenzierung. Das Erforschen eines Kassenzettels und Finden von Aufgaben zum Kassenzettel ist so konstruiert, dass Kinder auf unterschiedlichem Lernniveau an der gleichen Sache gleichzeitig arbeiten können. Die Koordination der Lerngruppen habe ich als Lehrkraft übernommen. Täglich erhalten die Gruppen von mir Arbeitszeiten, in welchen ich sie begleite. Gemeinsam wird auf ihrem jeweiligen Niveau gearbeitet, sich ausgetauscht, Ideen gesammelt und sortiert. Am Ende der Woche wird jede Gruppe ihre Ergebnisse vorstellen. Dies wird teilweise arbeitsteilig geschehen, teilweise werden Gruppensprecher ernannt. Die Entscheidung hierüber treffen die SchülerInnen eigenständig, ganz nach ihren Vorlieben und Möglichkeiten. Ich bin gespannt, was am Freitag vorgestellt werden wird. Bereits am ersten Tag gab es viele kreative Ideen, sowohl methodischer, als auch inhaltlicher Art. 

 

Am heutigen Tag entstand in der täglichen 12.30 Uhr Reflexionsphase folgendes Bild:

Im Anschluss an die Reflexionsphase folgte das Bewegungsabschlussritual. In dieser Zeit lachten und bewegten wir uns wieder viel. Es schloss sich eine Nacharbeitszeit an für Kinder, die am Vormittag trödelten und noch etwas nachzuholen hatten. Manche Kinder benötigten diese individuelle Zuwendung genauso, wie im realen Klassenzimmer auch. Nachdem alle ihre Tagesziele erledigt hatten, verabschiedeten wir uns in den Nachmittag. Es hat wieder sehr viel Spaß mit euch gemacht liebe Klasse. 

Tag 21 digitales Klassenzimmer - 12.05.2020

Heute nahmen 14 Kinder teil. Wenn uns auch weiterhin technische Hürden begleiten, so werden die Kinder doch souveräner im Umgang damit. Dennoch bin ich noch immer auf der Suche nach einem Tool, welches stabil läuft und das sich weniger anfällig für Spielereien der Kinder zeigt. Beispielsweise wird immer mal wieder ein Kind oder ich von einem anderen stumm geschaltet, was letztlich schon ärgerlich ist. Im digitalen Klassenzimmer ist also auch Unfug möglich, eben ganz wie im realen Klassenraum auch. Jedoch könnte man mit der richtigen Programmierung des Tools einige dieser Aktivitäten verhindern, was den Unterricht durchaus weniger anstrengend machen würde. Umso mehr freue ich mich, dass wir ab morgen für 14 Tage am Projekt pilotschulen.de teilnehmen dürfen. Das dort angebotene Tool eröffnet mehr Möglichkeiten als jitsi meet bieten kann. Ich werde weiteres berichten, sobald wir den Raum ausgiebig testen konnten. 

Die Agenda wurde auch heute von den Kindern vorgestellt. Dies schafft Sicherheit und ermöglicht eine Leistungskultur, in welcher die Anforderungen transparent gemacht werden, um eine Entwicklungsfunktion zu ermöglichen. "Die Entwicklungsfunktion zielt auf die bestmögliche Bildungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Das bedeutet: die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten berücksichtigen, für das einzelne Kind erreichbare Ziele anstreben, zur Anstrengung ermutigen, Möglichkeiten eigenständigen Lernens stärken, dabei personale, sachbezogene und sozialbezogene Kompetenzen fördern und individuelle Fortschritte würdigen und für die Kinder sichtbar machen." (Standpunkte Grundschulverband). Aufgaben im digitalen Klassenzimmer sind zumeist offen gestellt, so dass jedes Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten am Unterrichtsgeschehen teilhaben kann, um sich bestmöglich zu entwickeln. Diesem Grundsatz folgend, fanden sich die Kinder im Anschluss an die Plenumsphase in ihren Kleingruppen ein, um sich dem Thema: Entdeckungen am Kassenzettel zu widmen. Es ist immer wieder fesselnd, auf welche Ideen Kinder kommen, wenn sie entdeckend lernen dürfen. Lernen ist hierdurch nicht eintönig und langweilig, sondern kurzweilig und spannend. Bis zum Ende der Woche werden die Schülergruppen ihre Kurzvorträge vorbereitet haben. Schon jetzt zeigt sich, wie individuell die Kinder mit der Aufgabe umgehen. Ich bin gespannt, welche Medien die Kinder verwenden werden. Im Rahmen des digitalen Klassenzimmers haben die Kinder bereits vielfältige Medien kennengelernt. Ich möchte hier nur einige nennen: Tonaufnahmen, Lehrvideos und Filmsequenzen, Screenshots, Bilder, Suchmaschinen, Word Dokumente, PDF Dateien. Die ersten Kinder haben bereits angefragt, ob sie diese Möglichkeiten nutzen dürfen. Beim Erstellen der Umsetzungswünsche werde ich unterstützend tätig sein und bin voller Vorfreude auf Freitag, wenn die Präsentationen beginnen. 

Begeistert bin ich davon, dass die Kinder ihre online Zeiten sehr ernst nehmen.. Dies ist keine Selbstverständlichkeit. Für meine SchülerInnen scheint es aber völlig klar zu sein, selbstständig auf ihre online Zeiten zu achten und sich darum zu kümmern, pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Diese Tatsache sehe ich als Zeichen dafür, dass ihnen ihre online Zeit und ihr Unterricht mit ihren realen Lehrkräften sehr wichtig zu sein scheint. Es gibt keinerlei Verpflichtung an diesem Unterricht teilzunehmen. Den Kindern ist freigestellt, ob sie ihren Wochenplan alleine bearbeiten, oder ob sie den Unterricht im Chat wahrnehmen möchten. Seit es das digitale Klassenzimmer gibt, hat sich keines der Kinder freiwillig zum alleine Arbeiten entschieden, sondern alle haben darauf geachtet, möglichst pünktlich im Unterricht zu erscheinen und teilzunehmen. 

Heute habe ich mir vorgenommen zum Wochenende eine Umfrage für die Eltern meiner teilnehmenden SchülerInnen zu starten. Ich möchte unterschiedliche Aspekte des digitalen Lernens beleuchten und erhoffe mir durch die Einbindung der Eltern als Experten, eine verwertbare Stichprobe, um den Unterricht zu evaluieren und didaktisch weiterzuentwickeln. Hierzu werde ich berichten, wenn die Umfrage getätigt und ausgewertet wurde.

In der Feedbackzeit ergab sich heute folgendes Bild zur Lernzufriedenheit der SchülerInnen:

Wie fast jeden Tag waren die Kinder mit sich und ihren erreichten Zielen sehr kritisch. Noch werden die Ziele sehr hoch gesteckt, kaum erreichbar. Dies führt zwangsläufig zu Selbstkritik oder Unzufriedenheit. Wir arbeiten an einer realistischen Selbsteinschätzung, indem wir täglich vor der Freiarbeitszeit darüber sprechen, was realistischerweise jeder einzelne individuell erreichen kann. Die Kinder setzen sich ihre Ziele selbst und übernehmen Verantwortung für ihr Lernen. In der täglichen Feedbackphase sprechen wir über die erreichten Ziele und stimmen sie mit den gesteckten Zielen ab. Hierdurch entsteht für die Kinder ein Bild ihres individuellen Lernens. Je passgenauer gesteckte mit erreichten Zielen übereinstimmen, desto höher ist der Grad der Zufriedenheit.

Die heutige "Nacharbeitszeit" am Ende der Reflexion wurde von 5 Kindern genutzt. Dies zeigt mir, dass der Bedarf an individueller Zuwendung nicht nachlässt, sondern permanent nötig ist und angeboten werden sollte. Das bekannte Bewegungsabschlussritual verabschiedete die Kinder in ihren wohlverdienten Nachmittag. 

Tag 22 digitales Klassenzimmer - 13.05.2020

Der Testlauf mit unserem neuen Tool, ermöglicht durch Pilotschulen.de, verlief sehr positiv. Herzlichen Dank an das Team. Selbstverständlich gab es Hürden zu meistern, was wir inzwischen aber gewohnt sind. Wir sehen diese als gegeben an und gehen souverän damit um. Einige Beispiele für Hürden möchte ich nennen: Smartphone- und Tabletnutzer schafften es leider nicht, sich einzuloggen bzw. den Ton freizuschalten. Ich werde herausfinden, woran dies gelegen hat und das Problem schnellstmöglich auflösen. Im Verlauf des Nachmittags klärte ich mit Freunden einige technische Besonderheiten, um morgen als kompetente Beratung für meine SchülerInnen und Eltern ansprechbar zu sein. Ich erhoffe mir, morgen wieder alle 14 Kinder zu erreichen.

10 SchülerInnen waren heute dabei. Das Tool (Big Blue Button) lief absolut stabil und eröffnet neue didaktische Möglichkeiten. Auch die Gruppenarbeitszeit erwies sich als sehr gewinnbringend. Das Lernziel für heute, jedes Kind zu befähigen, einen Beitrag oder eine Frage auf eine Arbeitsfolie zu schreiben, konnte erreicht werden. Lernbereiche werden in kleinschrittige Lernziele aufgeschlüsselt, Die angestrebten Kompetenzen sind zukünftig für den Unterricht und weitere Gruppenarbeiten gewinnbringend. Daher lohnt sich der Einsatz. Als Lernziel der digitalen Einheit schwebt mir vor, die Kinder in die Lage zu versetzen, eine Kurzpräsentation, mit Unterstützung einer selbst erstellten Folie, halten zu können. Ich werde berichten, ob mir dies gelingen wird. Die Kinder haben in den letzten beiden Tagen gut in ihren Kleingruppen zusammengearbeitet. Es bedarf selbstverständlich der Unterstützung durch eine Lehrkraft, vollständig eigenständiges Arbeiten ist noch nicht möglich, aber auch nicht mein angestrebtes Ziel. Ich bin für die SchülerInnen da, als Lernbegleiter. Mit unserem neuen Tool kann ich gleichzeitig zwei Gruppen betreuen. Big Blue Button ermöglicht es mir, die Kinder gleichzeitig in zwei Breakout Räumen zu betreuen. Morgen werden wir diese Funktion ausgiebig nutzen. Ich bin gespannt, wie es sich umsetzen lässt. 

Da ich momentan selbst einen Masterstudiengang im Fernstudium absolviere, bin ich sowohl auf der Seite des Lernenden, als auch auf der Seite der Lehrkraft tätig. Dies ermöglicht mir unterschiedliche Perspektiven, was ich sehr gewinnbringend finde. Auch im Studium nutzen wir digitale Medien, gerade heute Abend haben ich mich mit meiner Lerngruppe (zum ModulTeamentwicklung und Kommunikation) im Chat getroffen und gemeinsam eine Aufgabe bearbeitet. Durch meine eigene Erfahrung im Distance Learning als Lernende, kann ich mich gut in meine SchülerInnen hineinversetzen. Es muss mir lediglich eine didaktische Reduktion der Lerninhalte im Sinne der Kinder gelingen. Täglich evaluiere ich mein Vorgehen, wovon ich mir eine stetige Qualitiätssteigerung meiner Arbeit mit den SchülerInnen erhoffe. Als ich meinen Unterricht für den Lernplan der Woche vorbereitete, hatte ich mir vorgestellt, dass die Kinder nach einer Woche ihre Gruppenarbeit zum Kassenzettel beenden werden. Heute habe ich dieses Vorhaben revidiert und werde meinen SchülerInnen individuelle Zeit zur Verfügung stellen, um ihre jeweiligen Gruppenziele zu erreichen. Die Kinder werden ihre Kurzvorträge ohne Zeitdruck oder Zeitvorgabe vorbereiten dürfen. Dies erscheint mir sehr wichtig, denn Zeitdruck erscheint mir qualitätsmindernd. 

Der Unterrichtstag bestand jedoch nicht nur aus den Gruppenarbeiten zu den Entdeckungen am Kassenzettel. Wir folgten unserer Agenda, die ich kurz vorstellen möchte: 

Nach der Begrüßung, die heute durch die Verwendung des neuen Tools wieder etwas bewegter verlief, starteten wir in den Schultag. Wir haben endlich einen Raum der Klassenraum 3b heißt: "Wie aufregend" klang es aus dem Mund einer Schülerin. Blitzrechnen aktivierte die "grauen Zellen". Hoch konzentriert rechneten die Kinder ihre Aufgaben, die sowohl mündlich vorgetragen, als auch schriftlich auf dem Bildschirm zur Verfügung gestellt wurden Jipih, das neue Videochattool bietet diese Möglichkeit. Im Anschluss kontrollierten die Kinder mit Hilfe eines auf die Monitore projizierten Lösungsblatts ihre Ergebnisse, notierten die Gesamtzahl der richtig gerechneten Aufgaben und erfreuten sich ihrer erreichten Ziele. Das neue Sachunterrichtsthema: einheimische Vogelarten wurde durch einen Impuls: Foto mit einem Vogel aus meinem Garten eingeführt. Ich stellte die Forscheraufgabe des Tages (siehe Aufgabe oben). Wir besprachen die Lernziele für den Tag und die Kinder begaben sich hieran anschließend in ihre Gruppenarbeiten (siehe oben). Im Tagesabschlusstreffen klärten wir die Arbeitseinstellungen, und verabschiedeten uns in den wohlverdienten Nachmittag. 

Folie für die Gruppenarbeit zum Kassenzettel. Im Laufe der nächsten Unterrichtstage werden sich die Folien mit den Kinderfragen füllen, die die SchülerInnen selbst einfügen lernen. 

Tag 23 digitales Klassenzimmer - 14.05.2020

 

Teilnehmer: 2 kranke gemeldete Kinder, 2, die das neue Tool noch nicht zum Laufen bringen konnten und 10 SchülerInnen, die einen technisch reibungslosen Unterricht im Webkonferenztool erlebten. Im Laufe der nächsten beiden Tage wird sich ein Papa um eine der technischen Hürden bemühen und ich mich um die andere, damit ab Montag wieder alle 14 Kinder dabei sein können. Herzlichen Dank an den Papa, der in den letzten Wochen bereits auf vielfältige Weise als Unterstützer agiert hat.

Resümee des zweiten Tages: stabil laufender Videochat mit Zusatzfunktionen wie: Hochladen von Präsentationen, Moderatorenfunktion für mich (ich kann alle Kinder gleichzeitig stummschalten, werde nicht mehr aus dem Chat geworfen oder stumm geschaltet - wie ich mich freue!), Whiteboard und Breakout Räume (für Gruppenarbeiten). Das allerbeste daran ist, ich sehe die Kinder auch, wenn ich meinen Bildschirm teile oder ein Video zeige. Wie großartig für eine Grundschullehrerin, die mitbekommen möchte, ob die SchülerInnen aktiv mitarbeiten oder anderweitig beschäftigt sind, um pädagogisch intervenieren zu können. Ich bin wirklich begeistert von unseren neuen Möglichkeiten. Ich hoffe sehr, dass wir am Projekt Pilotschulen.de weiterhin partizipieren dürfen. 

Die Gruppenarbeiten fanden das erste Mal gleichzeitig statt. Cool, wenn man wie im Schulgebäude auch, zeitgleich mehrere Schülergruppen beraten und beaufsichtigen kann. Die Lernziele wurden auch heute in viele kleine Schritte verpackt. Kindern online zu vermitteln, wie sie gemeinsam als Gruppe eine Folie gestalten können, ist gar nicht so einfach. Zunächst galt es zu klären, welcher SchülerIn in welches Feld der Folie schreiben wird. Im Anschluss musste besprochen werden, welches Kind der Gruppe welche Farbe zum Schreiben verwenden möchte, da die Aufgabe lautete: Jedes Kind muss eine andere Farbe nutzen. Hieran schloss sich die eigentliche Aufgabe an: Schreibe deine Forscherfrage in deiner Farbe in dein Feld. Klingt einfach, ist es aber nicht. Versuchen Sie es gerne einmal, per Videochat einem 9 jährigen Kind zu erklären, was zu tun ist, um diese Aufgabe zu erledigen. Sie werden sicher schnell feststellen, dass das, was sich einfach anhört, alles andere als einfach ist. Viel Geduld ist gefragt. Spannend, wie unterschiedlich Kinder mit einer derartigen Aufgabe umgehen. Die Spanne reicht von: ganz schnell selbst herausgefunden und darüber hinaus viele weitere Funktionen entdeckt zu haben bis hin zu Bockigkeit und kurzzeitiger Verzweiflung. Täglich lerne ich neue Seiten der Kinder kennen, sehr faszinierend und überaus gewinnbringend, um die SchülerInnen bestmöglich unterstützen zu können. Lernwege sind individuell und benötigen geduldige Zuwendung. Wir werden wir für die Gruppenarbeit zum Kassenzettel noch die kommende Woche aufwenden Kindern benötigen individuelle Zeit, um in Ruhe die neuen Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten zu können. 

Der Tagesabschluss endete mit der Reflexion zur Arbeitszufriedenheit des Tages. Heute waren fast alle Kinder mit sich sehr zufrieden und auch ich kann diese Eindrücke teilen: Ich habe fleißige SchülerInnen, die im digitalen Klassenzimmer weitaus mehr zu leisten bereit sind, als sie dies im Regelunterricht sind. Eine Vermutung hierzu habe ich bereits aufgestellt, ich werde das Phänomen jedoch kriteriengeleitet weiter beobachten und auswerten.

Tag 24 digitales Klassenzimmer - 15.05.2020

Teilnehmer: 11 SchülerInnen, 1 Kind besuchte die Notbetreuung, 1 Kind krank, 1 Kind technische Probleme (diese werde ich am Wochenende lösen, so dass ich ab Montag wieder alle Kinder erreichen kann)

Big Blue Button und der Server von Pilotschulen.de erwiesen sich auch am vierten Tag als stabil und gut einzusetzen. Der Tag startete mit einem "Kritzelblatt" (siehe Bild) als stummer Impuls zum aktiven Mitarbeiten. Dieser Aufforderung folgten alle Kinder intuitiv. Es entstanden in den ersten 10 Minuten, bis sich alle zum Unterricht eingefunden hatten, sehr interessante Werke. Während die Mädchen eher Blümchen und Sonnen zeichneten, kreierten die Jungs Abstraktes: viele bunte Kreise, Striche, Formen. 

                                         

Forscheraufgabe

Kritzelblatt

Tagesagenda

Zur Forscheraufgabe: Informiere dich über den Turmfalken, schauten wir einen Film und sammelten Vorerfahrungen der Kinder. Einige äußerten den Wunsch, einen echten Falkner zu erleben. Eine Schülerin erzählte uns, dass dies "ein wirklich großer Wunsch" sei und sie schon lange erfahren möchte, was ein echter Falkner so alles macht. In der kommenden Woche werden wir gemeinsam darüber nachdenken, wie sich eine solcher Besuch umsetzen lassen könnte. Durch pilotschulen.de habe ich eine Idee, wie dies mit Hilfe digitaler Medien zu realisieren ist. Wichtig bei dieser Aufgabe ist auch heute, die Quellen zu notieren und bei der Vorstellung mit anzugeben. Kompetenzen aus dem Kompetenzbereich 1, 1.1 Suchen und Filtern (Suchstrategien nutzen und weiterentwickeln, in verschiedenen digitalen Umgebungen suchen, relevante Quellen identifizieren und zusammenführen) , 1.2 (Informationen und Daten analysieren, interpretieren und kritisch bewerten sowie Informationsquellen analysieren und kritisch bewerten), Kompetenzbereich 3, 3.1 (Urheber- und Nutzungsrechte (Lizenzen) bei eigenen und fremden Werken berücksichtigen), Kompetenzbereich 6, 6.2 (Medien in der digitalen Welt verstehen und reflektieren, Vielfalt der digitalen Medienlandschaft kennen). werden hierbei gefördert. 

In den Mathematik Gruppenarbeiten (in Breakout Räumen, z.T. drei gleichzeitig) klärten die Kinder welche Fragen sie vorstellen möchten. Diese Fragen galt es auf die Folie der Gruppe zu schreiben. Inzwischen gelingt es allen Kindern ein Textfeld zu öffnen, sich eine Schreibfarbe auszuwählen und das Textfeld mit Schrift zu füllen. Hauptsächlich wird bei dieser Tätigkeit der Kompetenzbereich 5, 5.1 (Technische Probleme lösen) angesprochen sowie 5,2 (Werkzeuge bedarfsgerecht einsetzen). Letztlich ist die Gruppenarbeit eine kooperative Lernform. Es wird sich sowohl inhaltlich als auch technisch ausgestauscht und unterstützt. Spannende Interaktionen sind zu erleben. Ein wahrer Genuss aus pädagogischer Sicht. 

SchülerInnenergebnisse

Kritzelblatt

Das Lernziel: In Erwachsenenschrift eine Frage in ein Textfeld auf eine Folie zu schreiben haben alle erreicht (siehe oben). Welche Hürden sind zu meistern um diese Fähigkeiten zu erlangen? Ein paar Beispiele möchte ich mit Hilfe von Zitaten der Kindern darlegen:

"Hilfe Frau Stricker, ich kann nicht schreiben, es geht gar nichts."

"Es funktioniert anders als sonst, ich kann ja gar nichts mehr ändern, wenn ich etwas falsch geschrieben habe, ich muss es neu schreiben. Oje, wie anstrengend." 

Schülerin: "Es geht nicht." Ich: "Was geht nicht?" Schülerin: "Das Rechteck geht nicht." Ich: "Meinst du das Textfeld?" Schülerin: "Keine Ahnung, das mit Schreiben geht nicht." Ich: "Hast du auf das T geklickt und dir ein Textfeld in dein Feld gezogen?" Schülerin: "Ja, aber es geht nicht." Ich: "Hast du wirklich auf das T für Textfeld geklickt?" Schülerin: "Ach herrje, nein, ich war auf dem Rechteck, ich habe mir ein Rechteck gemalt." Schülerin beginnt lauthals zu lachen. Endlich ist das Problem gelöst. 

Für die Feedbackphase hatte ich zwei Umfragen vorbereitet, die sich mit Hilfe von Big Blue Button problemlos umsetzen ließen. 

Die Ergebnisse der Umfragen befinden sich direkt neben den Fragestellungen. 

Zur Zufriedenheit in Bezug auf die Lernziele habe ich mir von den Kindern ihre Tagesaufgaben zeigen lassen. Wir haben darüber gesprochen, ob ihre Einschätzung realistisch sein kann oder nicht. Auch klärten wir, welche Maßnahmen zur Zufriedenheit beitragen können und welche Ziele sich die Kinder als nächstes vornehmen wollen. Hiervon erhoffe ich mir, dass die Kinder ein realistisches Bild von sich und ihrer Arbeitseinstellung entwicklen und sie sich ihre Lern- und Entwicklungsprozesse bewusst machen. Sie lernen diese einzuordnen und für ihr Handeln Verantwortung zu übernehmen. Die stetige Weiterentwicklung ist das Ziel. Mit Hilfe des Feedbacks geht es auch darum, die Erlebnisse bewusst wahrzunehmen und zu verarbeiten. Das eigene Handeln soll kritisch betrachtet werden. 

Reflexion ist ein mehrschichtiger Prozess, der einen Rückblick durch Beschreibung und Dokumentation umfasst, eine Bewertung in Form einer Analyse und Interpretation und einen Ausblick/ eine Konsequenz durch Vergleichen, Evaluieren, Ziele setzen und nächste Schritte planen. Das vergangene Handeln und dessen Voraussetzungen und Konsequenzen werden einer Analyse unterzogen und es wird geprüft, ob angestrebte Ziele und Wünsche erreicht wurden. Der Reflexionsprozess verläuft in drei Phasen:

1. Dokumentieren und Beschreiben

Die Kinder zeigen ihre Tagesarbeiten und beschreiben ihre Tätigkeiten. 

2. Analysieren und Interpretieren

Wie war die Qualität meines Handelns, meiner Aufgabe? Warum habe ich heute so gehandelt? Wie habe ich mich heute beim Arbeiten gefühlt? Warum habe ich mich heute so gefühlt?

3. Vergleichen und evaluieren/ Ziele setzen und nächste Schritte planen

In welchem Zusammenhang steht meine Handlung mit meinem Ziel, mit der Erwartung? Was hätte ich anders machen können und wie anders? Welche Schlussfolgerung erziele ich aus meinem Handeln für zukünftiges Handeln? 

Literatur: 

Hilzensauer, W. (2008). Theoretische Zugänge und Methoden zur Reflexion des Lernens. Ein Diskussionsbeitrag. In: Bildungsforschung. Jg. 5, Ausgabe 2 Schwerpunkt “Reflexives Lernen“, hrsg. von Thomas Häcker, Wolf Hilzensauer & Gabi Reinmann. Verfügbar über: http://bildungsforschung.org/index.php/bildungsforschung/article/download/77/80 (Datum des Zugriffs: 02.04.2014)

Bei diesen Prozessen müssen GrundschülerInnen von ihren Lehrkräften begleitet werden. Reflexion ist ein Prozess des Miteinanders. 

An die Reflexionsphase schloss sich das bekannte Verabschiedungsritual an. Auch heute nutzten die Kinder die Zeit im Anschluss, um individuelle Fragen zu klären, Gefühle loszuwerden oder sich einfach noch einmal auszutauschen. Ein gelungener Unterrichtsvormittag ist vorbei, die Kinder und ich freuen sich nun auf das anstehende Wochenende, welches der Erholung und des Abstands dient, um in die nächste Woche mit neuem Elan und Freude starten zu können. 

Tag 25 digitales Klassenzimmer - 18.05.2020

Teilnehmer: 12 Kinder, 1 Kind erkrankt und 1 Kind weiterhin technische Schwierigkeiten, die wir am heutigen Abend lösen konnten. Eine Kollegin und ich fuhren zum Schüler nach Hause, um dort die technische Einrichtung für das digitale Klassenzimmer vorzunehmen. Wir schauten in die Augen eines glücklichen Vater und eines zufriedenen Kindes, nachdem die Technikhürden überwunden werden konnten. Chrome musste aktualisiert, ein Mikrofon und die Kamera mussten freigeschaltet werden und schon war die Teilnahme möglich. Ab morgen können nun wieder alle Kinder am Unterricht partizipieren, die das freiwillige Angebot annehmen möchten. Ich bin sehr zufrieden diesbezüglich. Barrieren abbauen anstatt Hürden aufbauen ist auch weiterhin das Ziel. 

"Ich wünsche euch einen schönen guten Morgen und einen tollen Start in die neue Woche", klang es aus dem Lautsprecher meines Laptops in der Begrüßungszeit. Welch toller Start in die neue Woche. 12 hoch motivierte SchülerInnen schauten in die Kameras, freuten sich einander zu sehen und erwarteten gespannt den Schulbeginn.

 

 

 

Die Agenda:

                                         

Blitzrechnen (Einmaleins, Divisions- Additions- und Subtraktionsaufgaben inkl. Kontrolle), Wort des Tages (Froschkönigskrone) und der Weißstorch beschäftigten uns in der ersten 3/4 Stunde. Selbstverständlich setzten sich die Kinder wieder unter meiner Anleitung und Begleitung Tagesziele, die wir jeweils in der Reflexionsphase überprüfen. Es schlossen sich Gruppenarbeits- und Einzelarbeitsphase an. Inzwischen kennen sich die Kinder mit den Breakout Räumen aus und das Arbeiten in der Gruppe wird immer effektiver. Es ist ein wahrer Genuss zuzuhören, wie diskutiert, verhandelt und sich zu nächsten Zielsetzungen verabredet wird. Es gelingt allen Kindern Textfelder zu schaffen, in welche sie ihre Sätze und Fragen schreiben. Ein wichtiges Etappenziel der Gruppenarbeit stellten heute die Gespräche über mögliche Lösungen und die Schaffung von Zieltransparenz für die Antworten dar. Begriffe wie Steuer wurden geklärt, aber auch Antworten gefunden auf: Was bedeutet Summe? Spannend war auch, wie sich 9 jährige die Mehrwertsteuer erklären. "Das ist doch ganz einfach: Die Mehrwertsteuer erhalten der Bund, das Land und die Gemeinde." Als ich fragte, was das nun genau bedeutet bekam ich zur Antwort: "Frau Stricker ganz klar, der Bund ist unser Land: Deutschland. Das Land ist Hessen und die Gemeinde ist Karben. Ja ganz klar." Ich bin wahrlich begeistert von meinen SchülerInnen. Mit welchem Wissensdurst sie ihre Aufgaben erledigen, forschen, entdecken und stolz auf ihre Ergebnisse sind. Je offener die Aufgaben, desto kreativer scheinen die Antworten und Ideen zu werden und desto mehr sind die Kinder zu leisten bereit. Im realen Klassenraum wären solche Antworten bisher nicht möglich gewesen. Dies hat sicherlich vielerlei Gründe. Die Medienkompetenz, die sich die Kinder in den letzten 5 Wochen erarbeitet haben, verschafft ihnen ungeahnte Fähigkeiten. Diese weiter auszubauen, ist mein erklärtes Ziel. 

Nach Beendigung der Gruppenarbeiten schloss sich eine wohlverdiente 15-minütige Pause an. Die Reflexionsphase wurde mit Hilfe der Umfragemöglichkeit erheblich verkürzt und ist dennoch sehr effektiv und anschaulich. Zudem verhilft diese Form der Auswertung, Anschauungshilfen zu verstehen. Die Kinder lernen Tabellen zu lesen und Grafiken zu verstehen. Diese Fähigkeiten werden ihnen sicherlich auch in Zukunft dienlich sein. 

Ich finde dieses Ergebnis sehr zufriedenstellend, da die meisten Kinder auch heute ein sehr realistisches Selbstbild hatten. Wieso ich diese Behauptung aufstellen darf? Tagesergebnisse müssen mir die Kinder in der Reflexionszeit vorzeigen. Hierdurch verschaffe ich mir einen Überblick über die Arbeitseinstellung und Arbeitsleistung. Da die SchülerInnen dieses Vorgehen inzwischen kennen, brauche ich nicht mehr täglich daran erinnern, sie zeigen ihre Aufgaben, Hefte und Ergebnisse freiwillig und mit Freude. "Darf ich dir noch kurz vorlesen, was ich dazu gefunden habe?" "Frau Stricker, ich habe noch was tolles entdeckt. Darf ich das allen schnell erzählen?" Klingt es aus den Lautsprechern. Ist das für einen Pädagogen nicht herrlich? 

Mit diesen Worten verabschiede ich mich in den Feierabend und freue mich auf meine SchülerInnen, die ich um 10.00 Uhr am morgigen Tag wiedersehen werde. 

Tag 26 digitales Klassenzimmer - 19.05.2020

Teilnehmende: 11 Kinder, 2 krank gemeldet, 1 Kind in der Notbetreuung

Jipieh!! Keinerlei technischen Probleme. Über welche Dinge man sich so freut. Herrlich. Endlich sind wir wieder vollzählig. Zwei Kinder sind leider erkrankt und nahmen nicht teil. Ich freue mich schon, wenn wir nächste Woche wieder vollzählig sein können. Aber letztlich ist es im realen Klassenraum auch nicht anders: erkrankte Kinder sind nicht anwesend.

Die Gruppenarbeiten habe ich auf morgen und nächste Woche verschoben, da mir es wichtig ist, dass alle Kinder dabei sein können und niemand ausgeschlossen wird. Der Unterrichtstag folgte einem ähnlichen Schema wie auch der gestrige: Begrüßungsritual mit kreativen Bewegungen, Blitzrechnen in allen Grundrechenarten, Wort des Tages (Parklandschaft) und Forscheraufgabe: zum Vogel des Tages: Habicht. Es schloss sich Zeit für individuelle Zuwendung an. Einer meiner Schüler nahm wie bereits erwähnt aus technischen Gründen drei Tage nicht am digitalen Klassenzimmer teil, daher widmetet ich mich intensiv den Bedürfnissen dieses Kindes, um sicherzustellen, dass die Aufgaben gut verstanden wurden. Lernen lebt von Miteinander und Austausch. Nach meiner Überzeugung dürfen Kinder mit ihren Fragen nicht alleine gelassen werden. Sie benötigen Unterstützung und haben ein Grundbedürfnis nach Kommunikation. Diesem sollten Lehrkräfte nachkommen. 

Meine Homepage erhielt heute einen eigenen Bereich für einheimische Vogelarten. Die Kinder schreiben die Steckbriefe, die wir allen Interessierten zur Verfügung stellen möchten. Die beschriebene Seite ist bereits in Arbeit (unter dem Menüpunkt Sachunterricht). Einheimische Vogelarten behandeln wir in Sachunterricht und forschen zu diesem Thema fächerübergreifend. Ich habe bewusst eine offene Forscherfrage formuliert, damit es den Kindern selbst überlassen bleibt, wie sie die wichtigsten Informationen zu den Vögeln herausfinden und aufschreiben. Die SchülerInnen fanden heraus, dass man auch "irgendwie Mathe benötigt". "Die Körpergröße der Vögel kann man messen und Messen ist Mathe": klang es heute zum Thema. "Aber Frau Stricker, dass die Vogelmama 3 - 6 Eier ausbrütet ist doch auch Mathe, oder?" "Ich frage mich, ob die Jahreszeiten eigentlich auch etwas mit Mathe zu tun haben?". "Die Brutdauer ist auf jeden Fall Mathematik, da geht es um Zeit und Zeit kann man auch messen." 

Selbstverständlich dachten die Kinder auch heute wieder über ihre Tagesziele nach. Wurden diese erreicht? Werde ich heute noch fleißig sein, um zufrieden mit meiner Leistung zu sein? Was nehme ich mir noch vor? 

Der Unterrichtstag endete mit einer Frage, welcher wir uns morgen näher widmen werden: Was macht mich glücklich? Mich macht glücklich, wenn . . .. Ich freue mich auf diese Erfahrung und werde mir bis morgen auch Gedanken machen. Was macht mich glücklich? Es ist eine sehr schöne Frage zum Einschlafen.

Tag 27 digitales Klassenzimmer - 20.05.2020

Teilnehmende: 12 Kinder, 1 Kinder krank gemeldet, 1 Kind noch technische Hürden, die ich in den kommenden vier unterrichtsfreien Tagen lösen werde

Ein Tag ohne technische Störungen. Meinen Dank richte ich auch heute wieder an Pilotschulen.de, die das System stabil am Laufen halten. So lässt sich arbeiten. 

Ab der kommenden Woche werde ich die Tagebucheinträge verändern. Ich werde zukünftig auf Kompetenzen und Lernziele des jeweiligen Tages und der Woche eingehen, da der Ablauf des Unterrichtstages einer fortwährenden gleichen Struktur folgt, die ich inzwischen umfassend beschrieben habe. Ich verfolge damit das Ziel, Transparenz über Lernerfolge zu schaffen. 

Tag 28 - 32 des digitalen Klassenzimmers - 25.05.2020 - 29.05.2020

Teilnehmende: 14 Kinder - welch ein Erfolg!

Ich blicke auf 5 wunderbare Unterrichtstage ohne technische Störungen zurück, an welchen ich mich mit Unterrichtsplanung, Vernetzung und meinem Studium beschäftigt habe. Daher blieb nicht sehr viel Zeit zum Schreiben. In der kommenden Woche werde ich wieder ausführlicher berichten, da es um die Verzahnung von Präsenzunterricht und digitalen Angeboten gehen wird. Dies ist eine neue Herausforderung, welcher ich mich gerne stelle. Es bleibt spannend. 

Sapere aude!

 

Tag 33 - 35​ des digitalen Klassenzimmers 04.06.- 09.06.2020

Teilnehmende: 14 Kinder 

Durch schulpolitische Umstellungen unterrichte ich inzwischen mit einem Blended Learning Konzept. Blended Learning bedeutet, dass ich Präsenzunterricht mit digitalem Unterricht und eigenständigen Lernphasen verbinde. Präsenzschule findet drei mal wöchentlich je drei Schulstunden statt. Das digitale Klassenzimmer ergänzt diesen Unterricht um zwei weitere Tage (dienstags und donnerstags). Hierdurch wird sichergestellt, dass die Kinder täglich begleitet sind. 

Durch weitere schulpolitische Veränderungen werde ich meinen Unterricht nur noch eine weitere Woche in der bekannten und beschriebenen Weise gestalten, da ab dem 22.06. in Hessen die Grundschulen wieder vollständig geöffnet sein und alle Kinder täglich in den Präsenzunterricht gehen werden. Was dieser Umstellung für meinen Unterricht bedeutet, kann ich aktuell nicht abschließend sagen. Ich für mich weiß jedoch, dass ich die Fähigkeiten, die sich die Kinder in den letzten Wochen angeeignet haben, sicherlich weiter fördern werde. Ich werde als Wochenplan ein Padlet zur Verfügung stellen, auf welches die Kinder zu jederzeit zugreifen können.

Der Lernplan in digitaler Form hat eine Reihe von Vorteilen:

  • spart Papier und Druckertoner

  • ist übersichtlich

  • ermöglicht unterschiedliche mediale Zugänge der Lerninhalte

  • ist den Kindern vertraut

  • ermöglicht kollaboratives Arbeiten

Weitere Ideen zu meinem zukünftigen Unterricht werde ich veröffentlichen, sobald ich das Konzept ausgearbeitet habe. 

Die kommende Woche im digitalen Klassenzimmer wird auf jeden Fall wieder sehr spannend. Klaus Adam, der bekannte Geschichtenerzähler und Inhaber von Kidspods.de, wird uns im digitalen Klassenzimmer besuchen und mit der Klasse und mir gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Ich bin von Herrn Adams Ideen total begeistert und bin überzeugt davon, dass dies die Kinder auch sein werden.

Bis dahin wünsche ich schöne freie Tage.

Ihre Frau Stricker 

Tag 36 - 40 digitales Klassenzimmers 15.06. - 19.06.2020

In Kürze mehr. Nur so viel bereits jetzt. Das digitale Klassenzimmer läuft weiter und etabliert sich: 

Projekt: Kidspods.de - Ein Witz wird zu einer Geschichte

und mehr....

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Musik: http://cc0.oer-musik.de/musik 

Datenschutz

Für Kinder

Hier geht es um Datenschutz. Datenschutz heißt, dass wir deine persönlichen Daten schützen und nicht an andere weitergeben. Warum der Schutz deiner persönlichen Daten wichtig ist, erklärt dir Charlie in einem Video: (https://www.medienfuerbildung.com/datenschutz-und-urheberrecht)

 

Was sind personenbezogene Daten?

Personenbezogene Daten sind persönliche Daten von dir wie zum Beispiel dein Name, deine Adresse, dein Geburtsdatum, deine E-Mail-Adresse oder deine Schule, aber auch die Nummer, unter der dein Computer, Smartphone, Laptop oder Tablet erreichbar ist. Das nennt man IP-Adresse.

Welche Daten werden an medienfuerbildung.com übermittelt?

Wenn du die die Homepage medienfuerbildung.com aufrufst, schickt mir dein Computer, Smartphone, Laptop oder Tablet Informationen.
Diese Informationen nennt man Daten. Die Daten zeigen

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  • weitere Daten wie z.B. den Browser, mit dem du im Internet bist und welches Betriebssystem dein Computer, Smartphone, Laptop oder Tablet hat

  • was du angeklickt hast

  • wann du es dir angeschaut hast

  • manchmal teilt mir dein Gerät auch mit, von welcher anderen Webseite aus du auf medienfuerbildung.com gekommen bist

medienfuerbildung.com speichert diese Daten, damit ich weiß, was Kinder auf medienfuerbildung.com machen, was euch besonders gut gefällt und ob es technische Probleme auf der Internetseite gibt. Diese Daten geben wir nicht an andere Personen weiter.
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Wann erfrage ich Daten von dir?

Ich erfrage nur dann Daten von dir, wenn ich sie unbedingt brauche. Zum Beispiel brauche ich eine E-Mail-Adresse, wenn du mir eine Nachricht sendest (über „wollen wir chatten“) und eine persönliche Antwort möchtest. Diese Daten werden nicht weitergegeben.

Warum müssen meine Eltern Bescheid wissen?

Du musst immer deine Eltern um Erlaubnis fragen, bevor du persönliche Informationen über dich über das Internet verschickst. Sie sind verantwortlich für dich und müssen wissen, wo du welche Daten angibst. Deshalb brauchen wir auch das Einverständnis deiner Eltern, wenn du uns eine Nachricht über „wollen wir chatten“ schickst.

Werden meine Daten wieder gelöscht?

Wenn du mir Informationen über dich geschickt hast, behalte ich deinen Namen und deine E-Mail Adresse nur so lange, bis ich geantwortet haben. Ich gebe sie nicht weiter und nach spätestens 2 Monaten wird sie gelöscht.

Welche Rechte habe ich?

Damit du nicht den Überblick verlierst, kannst du im folgenden Überblick nachlesen, welche Rechte du bei der Nutzung von medienfuerbildung.com hast.

  • Du kannst dich jederzeit bei mir informieren, ob ich Daten von dir habe.

  • Du kannst mir sagen, wenn ich falsche Daten von dir berichtigen sollen

  • Du kannst jederzeit verlangen, dass ich deine Daten sofort löschen soll

  • Du kannst mir jederzeit mitteilen, wenn ich deine Daten nicht verarbeiten darf

  • Du darfst dich bei der zuständigen Datenschutzaufsichtsbehörde beschweren

Ich hoffe, dass du alles gut verstehen konntest. Wenn du Fragen dazu hast, kannst du mir gerne eine E-Mail schreiben an christiane.stricker@gsvhessen.de 

oder per Post an

Christiane Stricker

(Quelle: fragfinn.de)