Das neue Schuljahr beginnt bald ... was ist zu planen - welche Unterrichtsentwicklung ist nötig?

In zwei Wochen startet in Hessen wieder die Schule. Doch die Pandemie nimmt darauf leider keine Rücksicht, auch wenn wir uns sicher alle wünschen, dass unser Leben wieder so ist, wie es vor März 2020 in Deutschland war - frei und irgendwie unbeschwert.


Es ist nun Zeit, das kommende Schuljahr zu planen, Eventualitäten zu bedenken und vor allem Unterricht und Lernen so zu planen und zu gestalten, dass beides jederzeit sichergestellt werden kann. Schon jetzt ist klar, dass es kreative Köpfe bedarf, die sich auf sich ändernde Situationen einstellen können und zeitnah bereit sind, Ideen für eine Umsetzung zu entwickeln. Dies erfordert Kompetenzen auf Seiten der Lehrkräfte, die bisher keine große Rolle spielten, jetzt aber zunehmend wichtig werden. Projektgruppen sind zu initiieren, die sich dieser Herausforderung annehmen. Niemand darf gezwungen werden, da es zu Ablehnung und Überforderung führt.


Welche Szenarien sind laut Schreiben vom 30.06.2002 des Kultusministeriums Hessen vorstellbar?

  1. Regelbetrieb

  2. Unterricht startet im Klassenverband mit einer festen Lehrkraft

  3. Verkleinerung von Lerngruppen - konstante Lerngruppen

  4. veränderte Personal- und Raumressourcen

  5. neue Verhältnis von Präsenz- und Distanzunterricht

  6. örtliche oder landesweite Aussetzung des regulären Schulbetriebs

Nach meiner Erfahrung ist es hilfreich, jeder dieser genannten Szenarien mit digitalen Angeboten zu unterstützen. Dies könnten beispielsweise Flipped Classroom Elemente sein, in welchen sich die SchülerInnen bereits zu Hause mit Hilfe von Lernvideos und oder Wikis und Texten auf ein Thema vorbereiten, welches im Unterricht vertieft und gemeinsam besprochen wird. Für die Lernvideos, die im besten Fall durch Lehrkräfte erstellt werden, ist es hilfreich, eine Plattform zu schaffen, auf welcher diese als OERs zur Verfügung stehen. Dies verschafft jeder Lehrkraft die Möglichkeit, nicht jedes Video selbst erstellen zu müssen, sondern erleichtert die Arbeit und professionalisiert das Handeln.


Szenario 1:

Es findet der bekannte Regelbetrieb statt, d.h. die Lehrkräfte erteilen den Unterricht wie vor der Pandemie alltäglich.


Szenario 2:

Der Unterricht findet im festen Klassenverband mit einer Lehrkraft statt, die möglichst in keiner anderen Klasse eingesetzt ist. So kann sichergestellt werden, dass der Kreis der Kontakte gering bleibt. Bei diesem Szenario ist vorstellbar, dass

  • die Kinder und Lehrkraft auch während des Unterrichts Masken tragen,

  • regelmäßiges Stoßlüften stattfinden muss (beispielsweise immer spätestens nach 45 Minuten)

  • das Abstandsgebot von 1,5m von anderen Mitschülern und der Lehrkraft eingehalten wird,

  • während des Unterrichts keine Masken getragen werden müssen

Szenario 3:

Die Lerngruppen werden auf eine Maximalzahl von SchülerInnen und eine Lehrkraft begrenzt (Dies ist in Abhängigkeit zur Raumgröße zu bringen, die jeweils zur Verfügung steht). Bei diesem Szenario ist jedoch die tägliche Stundentafel nicht sichergestellt, da weder Raum- noch Personalkapazitäten ausreichend sein werden. Es muss auf Teilzeitunterricht zurückgegriffen werden, welcher unbedingt mit digitalen Medien zu unterstützen ist. Hier wäre es beispielsweise denkbar, dass die SchülerInnen sich auch von zu Hause aus in Kleingruppen, wie auch in der Schule, zusammenfinden, so kann ggf. gewährleistet werden, dass die Eltern eine Betreuung sichergestellt haben und weniger belastet sind. Eltern könnten sich ggf. abwechseln, die Kleingruppen , die dann von Lehrkräften digital unterrichtet sind. "zu beaufsichtigen". Auch dies könnte zur Entlastung beitragen.

  • mit Tragen von Masken

  • ohne Tragen vom Masken

  • mit und ohne Abstandsgebot

Szenario 4:

Dies ist ähnlich dem Szenario 3. Eine Besonderheit wäre, dass beispielsweise Kleingruppen teilweise im Freien unterrichtet werden, in manchen Grundschulen gibt es Outdoorklassenräume, es wäre auch denkbar einen Waldtag pro Woche einzurichten, bei welchem fächerverbindende Aufgaben im Freien stattfinden. Auch bieten manche Spielplätze gute Möglichkeiten, fächerverbindend zu arbeiten, denkbar sind beispielsweise auch Skateparks, welche sich anbieten sportliche Aktivitäten mit anderen Fächern zu verbinden.


Szenario 5:

Bei diesem Szenario werden Elemente der Szenarien 3 und 4 aufgegriffen. Es findet beispielsweise Unterricht von Zuhause statt - Stichwort: Flipped Classroom, welcher im Präsenzunterricht aufgegriffen und vertieft wird. Hierzu sind Lehrkräfte nötig, die sich zutrauen, digitalen Unterricht anzubieten. Dies benötigt jedoch auch digitale Ausstattung, welche sicherzustellen wäre, damit alle Kinder jederzeit weiter unterrichtet werden können. Ist dies nicht möglich, könnte für diese Kinder eine "Notgruppe" eingerichtet werden, bei welcher sichergestellt ist, dass sie auch dann Präsenzunterricht erhalten, wenn dieser nicht stattfinden kann. Fördermaßnahmen könnten beispielsweise auch ähnlich umgesetzt werden. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Lerngruppen konstant bleiben und möglichst kein Wechsel stattfindet, dass Räume genutzt werden, wie das Outdoorklassenzimmer oder Waldklassenzimmer eingerichtet werden.


Szenario 6:

Dies erfordert ein vollständiges Umstellen auf digitale Lernangebote, welche aber bereits ohnehin in den Unterricht eingebunden werden sollten. Dies kann beispielsweise mit einer veränderten Hausaufgabenkultur gefördert werden, in welcher die Kinder gewöhnt sind, digitale Medien zu nutzen. Auch hier ist ein Flipped Classroom Modell eine geeignete Lösung. Die Kinder erarbeiten sich die Lerninhalte mit Hilfe von Lernvideos und didaktisch sinnvollen Fragestellungen, um dann vertiefend im Unterricht mit diesem Wissen zu arbeiten.


Tipp:

Grundsätzlich ist bei allen Szenarien, in welchen individuelle Lerngruppen erforderlich sind, auch denkbar, dass die Kinder in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen gemeinsam lernen. Hier könnten beispielsweise Geschwisterkinder und Freunde vereint werden. Auch diese Lerngruppen können außerschulische Lernorte nutzen, insofern es die Lehrkräfte umsetzen können und wollen.


Grundsätzliches:

Lehrkräfte und Kinder sollten zu keiner Zeit überfordert werden. Der Unterricht muss auf die individuellen Bedürfnisse von Schule und SchülerInnen abgestimmt sein, um Lernen und Sozialkontakte zu sichern.


Packen wir es an. Ihre Frau Stricker





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